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Tipps & Tricks gegen häufige Pflanzen-Krankheiten im Herbst

Pflanzen können durch Bakterien und Viren erkranken, doch in mehr als drei Vierteln aller Fälle sind Pilze für den Ausbruch einer Krankheit verantwortlich. Diese wollen wir uns heute mal genauer anschauen, da viele von ihnen durch die Wetterbedingungen jetzt im Spätsommer und im Herbst leichtes Spiel haben, um sich auszubreiten. Zum Glück kann man effektiv vorbeugen, aber auch bei einem Befall gibt es viele Möglichkeiten, der Pflanze zu helfen.

Hier sind Pilze am Werk

Der Mehltau ist die häufigste Pilzinfektion im Obst- und Gemüseanbau. Er kann bodennahe Erdbeerpflanzen befallen, macht aber auch vor stattlichen Apfelbäumen nicht halt. Es gibt den Falschen Mehltau, der vor allem bei feuchter Witterung auftritt. Er befällt Blätter und zeigt sich an diesen zunächst durch gelbliche oder bräunliche Flecken an der Blattoberseite. Charakteristisch ist jedoch vor allem der Befall an der Blattunterseite, die von einem weißen Schimmel überzogen wird. Je nach Pflanze sieht das Schadbild an den Früchten unterschiedlich aus. Der Echte Mehltau hingegen entsteht meist bei warmer, trockener Witterung. Er befällt die Früchte und lässt sie faulen, zeigt sich aber auch an den Blättern, die weiße oder gräuliche Flecken an der Oberseite bekommen. Der Echte Mehltau tritt besonders häufig bei Zucchini, Kürbissen, Tomaten oder Gurken auf.

Du solltest stets Ausschau nach ersten Krankheitsanzeichen halten. Entferne befallene Blätter und Früchte möglichst frühzeitig, damit sich der Pilz nicht weiter ausbreitet. Du kannst die Abfälle jedoch bedenkenlos kompostieren, da die Pilze während der Rotte auf dem Kompost abgetötet werden.

Bei einem geringen Befall kannst du Hausmittel zur Bekämpfung einsetzen. Es gibt viele verschiedene Sprühlösungen, die Abhilfe schaffen können, allerdings ist der Erfolg auch immer abhängig vom individuellen Standort, der Witterung, der genauen Anwendung und Mischung. Probiere es doch mal mit Backpulver: ein Päckchen Backpulver wird in einem Liter Wasser aufgelöst. Damit die Mischung später auf den Blättern haften bleibt, wird Öl benötigt. Gebe 1 EL Raps- oder Neemöl hinzu und rühre einen Spritzer Spülmittel als Emulgator ein, damit sich das Öl mit dem Wasser verbinden kann. In einer Sprühflasche kannst du alles gut durchschütteln und die Pflanzen etwa einmal in der Woche damit behandeln.

Gegen Echten Mehltau kann außerdem eine Sprühlösung aus Milch helfen, da die Pilze die darin enthaltenen Milchsäurebakterien nicht mögen. Es eignet sich jedoch nur Roh- oder Frischmilch, keine haltbar gemachte Milch. Mische diese im Verhältnis von 1:6 bis 1:8 mit Wasser (also z.B. 100 ml Milch mit 600 - 800 ml Wasser). Das Gemisch kannst du mit einer Sprühflasche alle paar Tage auf die betroffenen Pflanzen sprühen.

Links Echter Mehltau im Anfangsstadium auf einem Zucchiniblatt, rechts Falscher Mehltau unter einem Weinblatt.

 

Die von den Schorfpilzen verursachten Krankheiten kommen am zweithäufigsten bei Obst und Gemüse vor. Vor allem Äpfel sind betroffen und bilden auf der Schale braune, verhärtete Flecken, die etwas schorfig aussehen. Auch oberflächliche Risse können entstehen. An den Blättern zeigen sich Schäden in Form von Flecken, die mit der Zeit vertrocknen und so dafür sorgen, dass die Blätter in ihrem weiteren Wuchs wellig werden und schließlich vorzeitig abfallen. Auch Birnbäume können mit einem sehr ähnlichen Schadbild betroffen sein. Die Früchte sind in beiden Fällen noch genießbar, lassen sich aber nicht lange lagern.

Befallene Blätter sollten frühzeitig entfernt und auch vom Boden aufgesammelt werden. Sie können kompostiert werden, genau wie bei einem Mehltaubefall, da die Pilze die Temperaturen auf dem Kompost nicht überleben.

Gegen Mehltau und Schorf kann gut vorgebeugt werden, indem die Pflanzen regelmäßig geschnitten und ausgelichtet werden. Ist eine Pflanze sehr stark belaubt und wachsen viele Äste oder Zweige dicht beieinander, können sich Krankheitserreger natürlich viel schneller und leichter ausbreiten. An die Blätter gelangen weniger Licht und Luft, sodass sich Feuchtigkeit länger hält. So entsteht ein tendenziell eher kühles und feuchtes Milieu, in dem sich die Pilzsporen besonders fleißig verbreiten.

Apfelschorf sieht nicht schön aus, die Früchte sind ohne die Schale aber trotzdem genießbar.

Hier ist was faul

Auch für Fäulnisprozesse an Pflanzen sind oft Pilze verantwortlich, zu denen sich später noch Bakterien gesellen. Die Kraut- und Braunfäule haben wir im Tomaten-Special bereits ausgiebig vorgestellt. Schaue dort unbedingt vorbei, falls deine Pflanzen Anzeichen dieser Erkrankung zeigen: welke, trockene Blätter, braune Stellen an den Stielen und Früchten sowie ein glasiges Aussehen der Tomaten.

Wurzelfäule kann sehr viele Ursachen haben, zeigt sich jedoch unabhängig des konkreten Auslösers meist durch welke, gelbliche Blätter. Mehr zu gießen wäre jetzt fatal, da es das Problem noch verstärkt. Jetzt im beginnenden Herbst ist zudem die Gefahr von Staunässe noch einmal erhöht. Durch die niedrigeren Temperaturen bleibt die Erde länger feucht, eventuell stehen deine Kübelpflanzen auch nicht überdacht, sodass das Wasser durch den häufigeren Regen nicht mehr richtig abfließen kann. Es kann sein, dass sich die Erde in den Töpfen über die letzten Monate noch verdichtet hat oder Abflusslöcher verstopft sind. Sind die Wurzeln zu lange einer erhöhten Feuchtigkeit ausgesetzt und werden sie nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, beginnen sie durch einen Befall von Pilzen oder Bakterien zu faulen.

Wenn es viel regnet, sind Freilandtomaten besonders anfällig für Krankheiten.

Abwehrkräfte stärken

Bei allen Krankheiten gilt: die beste Maßnahme ist Vorbeugen. Am effektivsten beugst du Pflanzenkrankheiten vor, indem du deine Pflanzen gut pflegst, damit sie so robust und gesund sind, dass sie sich bei einem Befall selbst helfen können. Schwache Pflanzen sind anfälliger gegenüber Krankheiten, vergleichbar mit einem nicht so starken Immunsystem beim Menschen.

Jede Pflanze ist anders und erfordert eine individuelle Pflege. Das ist aber kein Hexenwerk und du musst auch keine Fachliteratur wälzen! Du solltest dir lediglich einige wichtige Fragen zu deiner Pflanze beantworten, um dir ihre Bedürfnisse bewusst zu machen:

  • Welcher Standort ist am besten für die Pflanze? Dabei spielt sowohl die Himmelsrichtung eine Rolle als auch die Frage, ob du sie in einen Kübel oder ins Beet pflanzen möchtest.
  • Sollte sie geschützt stehen und vielleicht sogar überdacht? Kann sie im Freiland wachsen?
  • Wie viel Platz braucht sie und welche Nachbarpflanzen mag sie vielleicht nicht?
  • Was wuchs im letzten Jahr an dieser Stelle im Beet? Manche Pilzsporen verbleiben im Boden und können im nächsten Jahr erneut Pflanzen befallen.
  • Welches Pflanzsubstrat braucht die Pflanze und welche Düngung ist sinnvoll?
  • Benötigt sie viel oder wenig Wasser?
  • Welche Pflegemaßnahmen sind nötig, muss man sie schneiden?
  • Ist es für die Pflanze vorteilhaft, sie mit ein wenig “Medizin” stärker zu machen? Für viele Pflanzen besonders gut geeignet sind Ackerschachtelhalm-Sud, Brennnesseljauche oder Neemöl. Diese Mittel können auch ins Gießwasser getan werden und beugen Krankheiten vor.

Bist du noch ein Gartenneuling, dann fang erstmal kleiner an: hole nicht zu viele verschiedene Pflanzen auf einmal zu dir und suche dir die Dinge heraus, die du einfach beantworten und auch umsetzen kannst. Ist deine Pflanze einmal krank oder entwickelt sie sich nicht so gut, kannst du überprüfen, ob du eventuell einen wichtigen Punkt stärker berücksichtigen solltest. Jahr für Jahr kannst du dann versuchen, noch mehr Aspekte zu beherzigen.

Pflanzenschutzmittel möglichst vermeiden

Der Einsatz von chemischen Spritzmitteln hat so viele negative Auswirkungen, dass diese nicht zum Einsatz kommen sollten. Spätestens, wenn man mit Handschuhen, Schutzbrille oder sogar einem ganzen Schutzanzug im Garten steht, wird klar, dass das einfach nicht gesund sein kann. Die Mittel sind teilweise so aggressiv, dass sie Nützlinge wie Marienkäfer oder auch Bienen töten. Außerdem können sich die Gifte im Boden einlagern und so in die Pflanzen gelangen, die man eigentlich mit Genuss essen möchte. Es gibt natürlich auch verträglichere Spritzmittel, doch auch ihr Einsatz sollte immer der letzte Schritt sein.

Der erste und wichtigste Schritt ist, eine robuste Sorte zu wählen. Es gibt viele Sorten, die gegenüber bestimmten Krankheiten sogar resistent sind.

Als zweiten Schritt sollte man sich bemühen, die Pflanze gesund zu erhalten und sich über ihre Bedürfnisse genau informieren. Das kostet zwar etwas Zeit und Mühe, lohnt sich aber, wenn sie dafür von Krankheiten und Schädlingen verschont bleibt oder ein Befall nur klein ausfällt.

Drittens sollte auch das Umfeld deiner Pflanze gesund und lebendig sein: die Stichworte sind hier Fruchtfolge und Mischkultur sowie das Ansiedeln von Nützlingen. Außerdem ist es wichtig den Boden gesund zu erhalten. Bodenlebewesen sollten gefördert werden, indem die Erde aufgelockert und aufgebessert wird.

Als vierten Schritt solltest du deine Pflanzen regelmäßig auf Anzeichen einer möglichen Krankheit untersuchen, um schnell eingreifen zu können. Je früher Gegenmaßnahmen getroffen werden, umso besser.

Fünftens: Starte bei einem Befall immer zuerst mit den schonendsten Methoden. Bei Schädlingen kann das das manuelle Absammeln bzw. Abduschen der Pflanzen sein, bei Krankheiten das rasche Entfernen befallener Pflanzenteile. Preiswerte und schnell selbstgemachte Hausmittel können ebenfalls frühzeitig eingesetzt werden und Erfolg zeigen. Hält sich die Krankheit hartnäckig, kannst du auf ökologische Mittel zurückgreifen und dich im Handel beraten lassen, damit du wirklich keine Giftbomben und Chemiekeulen an deine Pflanzen lässt.

Natürlich ist es im Zweifelsfall auch immer eine persönliche Abwägung: siehst du deine komplette Ernte bedroht oder breitet sich eine Krankheit immer weiter aus und befällt eine Pflanze nach der anderen, musst du entscheiden, welche Art von Herbiziden, Fungiziden & Co für dich vertretbar sind. Vor allem im konventionellen Obst- und Gemüsebau wird viel gespritzt, um die Ernte zu erhöhen. Im Privatgarten sollte unserer Meinung nach jedoch ein Gleichgewicht von möglichst gesunden und kräftigen Pflanzen, Schädlingen, Nützlingen und dem Boden im Vordergrund stehen.

Das regelmäßige Entfernen von welken Blättern ist eine wichtige Pflegemaßnahme.

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