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Keimsprossen selber ziehen: So klappt es

Keimsprossen sind ein beliebter Vitamin-Lieferant im Winter, wenn draußen im Beet noch nicht so viel los ist. Wenn du ein paar Dinge beachtest, geht die Anzucht ganz einfach und schon nach kurzer Zeit kannst du die leckeren Sprossen genießen.

Die Keimung: Vom Korn zur Sprosse

Im Samenkorn steckt alles, was die Pflanze für ihr späteres Wachstum braucht, sozusagen ihr gesamter Bauplan. Ganz zu Beginn steht die Keimung, die nur unter einem geeigneten Zusammenspiel von Feuchtigkeit, Temperatur, Sauerstoff und Licht starten kann. Manche Samen benötigen eine ausreichende Wärme, um zu keimen, zum Beispiel Paprikasamen. Andere wiederum sind sogenannte Kaltkeimer und mögen es eher kühl, zum Beispiel Salbei oder Schnittlauch. Auch beim Licht gibt es unterschiedliche Ansprüche. So benötigen Samen von Kamille, Minze oder Basilikum Licht zum Keimen und dürfen nicht mit Erde bedeckt werden. Koriander, Petersilie oder Feldsalat brauchen jedoch die Finsternis.

Während der Keimung entwickeln sich sowohl kleine Wurzeln als auch der Keimling selbst, der zunächst Keimblätter entwickelt und später zum oberirdischen Teil der Pflanze heranwächst. Und genau auf diesen kleinen Keimling haben wir es abgesehen, wenn wir Keimsprossen ziehen. Je nachdem, wie lange man die Samen keimen lässt, verzehrt man nur den Keimling oder die gesamten Sprossen inklusive Samenkorn.

Keimsprossen werden warm und hell auf einer Fensterbank gezogen, daher wird meist Saatgut von Warm- und Lichtkeimern dafür verwendet.

Noch schlummern die Kressesamen vor sich hin, werden durch Licht, Wärme und Wasser aber rasch zur Keimung angeregt.

Darum sind Keimsprossen so gesund

Ein Samenkorn ist ein richtiges kleines Kraftpaket. Genau das macht Vollkornprodukte auch so gesund: sie enthalten die wertvollen Inhaltsstoffe des vollen Korns.

Während der Keimung ist im Samenkorn so richtig viel los: eine Vielzahl an Stoffwechselaktivitäten lässt den Gehalt an für uns Menschen wertvollen Inhaltsstoffen in die Höhe schießen. Ob Vitamine, Ballaststoffe, gesunde Fett- und Aminosäuren, Eiweiß und Mineralstoffe wie Eisen, Calcium oder Magnesium - es gibt wenig, was in einem Keimling nicht vorhanden wäre! Darüber hinaus sind sie kalorienarm und schmecken super lecker.

 

Mungbohnen sind ein echter Sprossen-Klassiker und schmecken leicht nussig.

Die große Sprossen-Vielfalt

Jedes Samenkorn keimt, doch nicht alle Pflanzen entwickeln genießbare Keimlinge. Zum Glück ist die Auswahl an Keimsprossen-Saatgut trotzdem riesig! Für jeden Geschmack finden sich viele verschiedene Saaten: manche Sprossen schmecken süßlich, andere nussig oder sogar richtig scharf. Am bekanntesten sind wahrscheinlich Kresse-, Alfalfa- und Sojasprossen. Alfalfasprossen sind übrigens die Keimlinge der Luzerne, einer Klee-Art, die zur Familie der Hülsenfrüchtler gehört.

 

Hier eine Auswahl an Saaten, die sich als Keimsprossen eignen:

  • Sojabohnen, Erbsen, Mungobohnen, Alfalfa
  • Kresse, Rucola, Senf, Radieschen, Brokkoli
  • Rote Beete, Möhren, Leinsamen, Sonnenblumenkerne
  • Getreide: Weizen, Dinkel, Roggen, Hafer

Je nach Keimmethode und -dauer sowie Saatgut werden die Samenkörner später mitgegessen oder die grünen Keimlinge abgeschnitten.

Bei so vielen Varianten und Saatgut-Mischungen fällt die Wahl gar nicht so leicht.

Gefahren kennen & sicher genießen

Samenkörner enthalten von Natur aus Mikroorganismen, die bei unsachgemäßer Lagerung, aber auch beim Ziehen von Sprossen zu einem Problem werden können, da sie sich in der feucht-warmen Umgebung super wohl fühlen. Werden die Sprossen dann noch in Plastiktüten oder -schalen verpackt, können sich die Bakterien innerhalb der Verpackung weiter verbreiten. Bei Sprossen im Supermarkt weiß man leider nie so genau, wie lange sie dort schon liegen und ob sie eventuell belastet sind. Selbst gezogene Sprossen bieten mehr Sicherheit, wenn einige Punkte beachtet werden.

Kaufe immer hochwertiges Saatgut, da dieses auf jeden Fall gereinigt ist, am besten in Bio-Qualität. Generell kommt das menschliche Immunsystem auch mit minimalen Verunreinigungen oder Belastungen gut zurecht, ohne, dass gesundheitliche Konsequenzen entstehen. Doch viele Menschen haben ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch eine Krankheit. Aber auch Kinder, ältere Menschen oder Schwangere sind betroffen. Daher gibt es offizielle Empfehlungen für diese Personengruppen, auf den Verzehr von Sprossen zu verzichten, zum Beispiel vom Niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Informiere dich darüber, ob es spezielle Hinweise für die Art von Keimlingen gibt, die du gerne selber ziehen möchtest. So enthalten Rucola-Keimsprossen zum Beispiel sehr viel Jod, was sich bei Schilddrüsenerkrankungen negativ auswirken könnte. Zum Glück gibt es viele Alternativen, sodass du sicher geeignetes Sprossen-Saatgut für dich findest.

Ganz wichtig: Die Sprossen von manchen Hülsenfrüchten wie (Kicher-)Erbsen und Sojabohnen dürfen nicht roh gegessen werden! Sie müssen ein paar Minuten blanchiert werden, um giftige Stoffe unschädlich zu machen. Mungbohnen bilden dabei eine Ausnahme. Auch Linsenkeimlinge können roh gegessen werden, aber nur in kleinen Mengen. Eine weitere Ausnahme: Erbsengrün, also bereits weiter entwickelte Keimlinge ohne das Samenkorn, kann abgeschnitten und roh verzehrt werden. Auch Alfalfasprossen können roh verzehrt werden.

 

Damit alles gut klappt und du dir keine Gedanken machen musst, haben wir im nächsten Kapitel genau beschrieben, wie du beim Ziehen eigener Sprossen vorgehen solltest. Dann steht einem sicheren Sprossen-Genuss nichts mehr im Weg!

Erbsenkeimlinge können einfach mit einer Schere abgeschnitten werden.

Ran an die Sprossen: Material und richtiges Vorgehen

Je nach Saatgut können Keimdauer und Inhaltsstoffe sowie die am besten geeigneten Keimmethoden variieren. Auf den Packungen findest du in der Regel alle konkreten Hinweise, die du brauchst.

Der größte Unterschied: möchtest du klassische Sprossen ziehen und die Samen auch verzehren? Oder wartest du lieber etwas länger auf richtige kleine “Mini-Pflanzen”, sogenannte Microgreens, und erntest diese ohne Samenkorn? Im ersten Fall empfiehlt sich eine Anzucht in Keimgläsern oder auf Küchenpapier. Ansonsten kannst du das Saatgut auch in Erde aussäen.

 

Passendes Zubehör

Es gibt eine Reihe an speziellem Zubehör für die Sprossen-Anzucht, das praktisch ist und die ganze Sache vereinfachen kann. Allerdings ist es auch möglich, auf einen Kauf zu verzichten und erstmal einen Blick in den Küchenschrank zu werfen. Vielleicht hast du ja schon ein paar Sachen, die sich ebenso gut eignen.

Oft werden Sprossen in Gläsern gezogen, da diese wie ein kleines Gewächshaus funktionieren. Keimgläser, die man kaufen kann, sind teilweise auch aus Plastik und haben auf einer Seite viele kleine Löcher im Deckel. Die braucht man, da man das Saatgut und später die Keimlinge täglich mit Wasser durchspülen muss. Dieses kann dann durch die Löcher abfließen. Im Prinzip funktioniert jedes größere Einmachglas genauso gut, wenn man die Öffnung oben mit einem löchrigen Material verschließt. Dieses muss recht glatt sein und darf auf keinen Fall anfällig für Schimmel sein. Gut geeignet ist z. B. Mückenschleier-/Fliegengitterstoff oder Tüll aus Kunststofffasern. Das Material wird einfach mit Gummibändern oben am Glas fixiert.

Als Alternative kannst du die Sprossen aber auch komplett aus dem Glas in ein Sieb schütten, durchspülen und zurück ins ebenfalls gespülte Glas füllen.

Außerdem gibt es Sprossenboxen, die ähnlich wie ein Keimglas funktionieren, aber gestapelt werden können.

Auch auf Küchenpapier können Sprossen gezogen werden. Lege ein paar Schichten auf einen Teller oder in ein flaches Gefäß und feuchte sie gut an. Das Saatgut wird einfach nur aufgestreut und muss stets feucht gehalten werden.Trocknen die Keimlinge an, kleben sie manchmal am Küchenpapier fest, was nervig sein kann. Dafür ist bei dieser Methode die Gefahr geringer, dass sich Bakterien ausbreiten.

Möchtest du in Erde aussäen, verwende auf jeden Fall nährstoffarme Anzuchterde. Das Pflanzgefäß muss nicht unbedingt einen Ablauf haben, da du die Erde immer nur etwas feucht halten musst. Am einfachsten geht das mit einer Sprühflasche. Wenn du magst, kannst du mit einer Plastikfolie oder einem Gefrierbeutel rund um das Gefäß eine Gewächshausatmosphäre erzeugen. Lüfte die Keimlinge mindestens einmal am Tag.

Ein selbstgebautes Sprossenglas aus Einmachgläsern, Tüllstoff und Gummibändern - diese müssen recht straff sitzen.

 

So wird's gemacht

Das Saatgut muss in jedem Fall erstmal einige Stunden lang in Wasser quellen. Je nach Sorte müssen die Samen unterschiedlich lang eingeweicht werden, die Infos dazu findest du auf der Verpackung. Nach der Einweichzeit wird das Wasser abgegossen.

 

Das Saatgut weicht für einige Stunden in Wasser ein.

 

Keimgläser und Sprossenboxen:

Von nun an musst du die Gefäße zweimal am Tag gut durchspülen. Durch die Boxen läuft das überschüssige Wasser von oben nach unten durch. Die Gläser musst du schräg stellen, damit es abfließen kann.

Wie viel Saatgut du einfüllst, hängt von der Größe des Gefäßes und dem Saatgut selbst ab. Lass dich nicht täuschen - die winzigen Körner saugen sich mit Wasser voll und werden mit der Zeit immer größer. Unter Umständen ist das Glas oder die Box irgendwann zu voll und die Keimlinge lassen sich nicht mehr so gut durchspülen. Wenn du merkst, dass du zu viel Saatgut verwendet hast, fülle einen Teil einfach in ein anderes Gefäß um.

 

Ruckzuck sind die Gläser plötzlich voll.

 

Auf Tellern, in flachen Schalen oder in Anzuchterde:

Achte darauf, dass das Saatgut und später die Keimlinge immer feucht, aber nicht zu nass sind. Sprühflaschen, die das Wasser ohne viel Druck verteilen, sind sehr gut geeignet. Wenn du die Gefäße mit einer Plastikfolie abdeckst, muss regelmäßig gelüftet werden, damit sich kein Schimmel ausbreitet.


Auf Küchenpapier ist es etwas aufwändiger, das Saatgut feucht zu halten, da mehr Feuchtigkeit verdunstet als in Keimgläsern.

 

Alle Gefäße benötigen einen hellen Standort ohne direkte Sonne. Temperaturen um die 18 - 20 Grad sind ideal, damit sich die Sprossen gut entwickeln.

Manchmal bilden die sehr feinen Wurzeln eine Art Flaum und sehen Schimmel zum Verwechseln ähnlich. Kontrolliere, ob du die Härchen nur an den Wurzeln findest, dann ist alles ok. Haben sie sich über den gesamten Keimling ausgebreitet, spricht das eher für Schimmel und du musst die Sprossen leider entsorgen.

Hier kann man die kleinen Wurzeln gut erkennen: Sie sehen zwar pelzig aus, aber um Schimmel handelt es sich nicht.

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