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  • So bietest du Igeln und Insekten ein Winterquartier im Garten

Winterverstecke im Garten: Unterkunft für Igel, Insekten und Co

Momentan sind wir fleißig damit beschäftigt, uns und unseren Garten auf die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Und damit sind wir nicht alleine - unsere kleinen Gartenbewohner müssen ebenfalls zusehen, dass sie sich rechtzeitig fit für den Winter machen, damit ihnen der Frost keinen Schaden zufügt. Wir haben ein paar Maßnahmen für dich zusammengestellt, die spielend leicht umgesetzt werden können und unseren tierischen Freunden dabei helfen, gut durch die kalte Jahreszeit zu kommen.

Wertvoller Lebensraum: Der Garten

Neben Kulturlandschaften, die häufig eher an eine Wüste erinnern denn an einen vielfältigen Lebensraum, machen unsere heimischen Gärten inzwischen einen großen Teil unserer Landschaft aus. Diese sind leider oft viel zu “sauber” und werden im Herbst gründlich gereinigt, was zur Folge hat, dass viele Tiere im Herbst und Winter nicht mehr genügend Nahrung und kein geeignetes Versteck finden. Abgestorbene Pflanzenteile und Laub werden häufig weggeräumt und entsorgt, was für Igel und Konsorten fatale Folgen hat: Es fehlt schlichtweg Baumaterial für das Winterhotel und das Büffet sieht auch ziemlich leer aus - Tod durch Erfrieren oder Verhungern sind nicht selten die Folge. Dabei ist es sehr einfach, Hilfestellung zu leisten und deinen Garten in eine wertvolle Winter-Wohlfühloase zu verwandeln. Das Beste ist es nämlich, möglichst wenig zu säubern und die Aufräumarbeiten erst im Frühling vorzunehmen, wo du dich dann auch völlig austoben darfst. Anstatt nach einem langen Arbeitstag oder an einem freien Wochenende zur Gartenschere zu greifen, kannst du es dir also drinnen bei einer Tasse Tee und einem guten Buch bequem machen.

Auch die Balkonkästen können bleiben, wie sie sind. Die vertrockneten Pflanzen bieten Unterschlupf für viele Insekten.

Die passende Unterkunft - für jeden das Richtige

Wie wir bereits wissen, sind ja beispielsweise die abgestorbenen Pflanzenreste mehrjähriger Kräuter ein toller Kälteschutz für die Pflanze selbst und bieten Platz für viele Tiere sowie Insekten und deren Eier und Larven. Bonus: Im Frühling sind die Verstecke auch gleichzeitig die Kinderstube vieler Arten, wie zum Beispiel verschiedener Schmetterlinge oder Laubheuschrecken. Auch Laub- oder Steinhaufen sind klasse und bei vielen Tieren total beliebt.

 

Insekten

Bleiben wir doch gleich bei den Insekten. Sie sind wechselwarme Geschöpfe, was bedeutet, dass ihre Körpertemperatur an die Umgebungstemperatur geknüpft ist. Wird es kalt, erstarren sie und können sich kaum noch bewegen. Damit der Frost sie nicht umbringt, haben manche von ihnen eine Art integrierten Kälteschutz im Körper, brauchen aber zusätzlich einen geschützten Platz. Insekten profitieren enorm davon, wenn du altes Laub, sowie die Überreste mehrjähriger Stauden stehen lässt und Gehölze nicht zurück schneidest. Warte damit lieber, bis im Frühling kein Frost mehr droht - dann sind die Wintergäste und deren Kinderschar wieder ausgeflogen. Vor allem Gewächse, die von innen hohl sind (z.B. Schilf und viele Kräuter), werden sehr gerne beispielsweise von Wildbienen und Hummeln besetzt. Besonders in städtischen Gebieten sind die Überreste von Kübelpflanzen sehr beliebt und wertvoll. Auch den Rasenmäher brauchst du ab Oktober nicht mehr anzuschmeißen - so bleiben viele Halme stehen, die reichlich Futter und Versteckmöglichkeiten bergen.

Bei den flauschigen Hummeln überwintern nur die Königinnen, die im nächsten Frühjahr ein neues Hummelvolk gründen.

 

Dann gibt es auch noch Insekten, die ab und an ihren Weg zu uns nach Hause finden, wozu auch Schmetterlinge und Marienkäfer zählen. Sie suchen sich gerne geschützte Höhlen, beispielsweise Ritzen in Mauern oder Bäumen, landen aber auch in Garagen, Schuppen oder nicht ausgebauten Dachböden. Findest du also im Winter ein paar solcher Gäste: Bitte nicht stören, im Frühling, wenn es warm wird, flattern sie von alleine wieder nach draußen!

 

Tipp: Insektenhotel

Insektenhotels gewähren uns spannende Einblicke ins Insektenleben und sind, besonders wenn du keinen Garten hast, ein tolles Winterquartier. Du kannst sie fertig im Handel kaufen oder dir im Internet eine Anleitung zum Selbermachen suchen. Hierbei musst du nur auf die ausreichende Tiefe der Höhlen/Röhren achten (mindestens 8 bis 10 cm) und den passenden Durchmesser der Bohrlöcher (3 bis 6 mm). Mit einer Unterkunft alleine ist es jedoch nicht getan; unsere Gartenbrummer brauchen im Vorfeld auch ausreichend Nahrung, damit sie sich auf die Kälte vorbereiten und überhaupt erst einziehen können. Insektenfreundliche Pflanzen in der Nähe (vor allem Beeren- und Obstgehölze, blühende Kräuter wie z.B. Lavendel oder Melisse) sind das Sahnehäubchen, sehen toll aus und versüßen auch uns mit ihren Früchten den Alltag.

 

Auch alte Dosen können sich mit passendem Material in ein kleines Luxushotel verwandeln.

 

Igel

Die nützlichen Stachler sind sehr dankbar, wenn sie im Garten einen Unterschlupf und etwas zu fressen finden. Gärten zählen nämlich zu den wichtigsten Lebensräumen der seltenen Tiere, weshalb du ihnen im Herbst unbedingt entgegenkommen solltest. Zu saubere und aufgeräumte Gärten allerdings sind auch für den Igel ein Desaster: Hier findet er weder genügend Insekten, Würmer und Larven zu fressen, noch geeigneten Unterschlupf für seine Winterruhe. Laubhaufen und Totholz bieten auch für Igel gute Versteckmöglichkeiten, ebenso kleine geschützte Nischen, wie zum Beispiel unter dem Gartenhaus. Da unter dem zusammengekehrten Laub viele Asseln und andere Bodenlebewesen umher krabbeln, stellen sie auch noch eine tolle Futterkammer dar. Weiter unten haben wir eine kleine Anleitung für dich, wie du Laubhaufen so anlegst, dass sie den stürmischen Herbst überdauern und den potenziellen Bewohnern guten Schutz bieten.

Insektensterben, verschwindende Naturräume - nun könnte man meinen, es sei gut, den Igeln ein wenig in Form von Zufütterung zu helfen. An dieser Stelle scheiden sich leider die Geister: Manche Stimmen behaupten, man solle den Igeln am besten das ganze Jahr über Futter zur Verfügung stellen, andere wiederum sagen, dass man der Natur ihren Lauf lassen soll, oder dass dies sogar schädlich für Igel sei. Da wir auf diesem Gebiet keine Experten sind, können wir auch keine richtige Empfehlung aussprechen. Aber: Bei der ganzen Thematik solltest du im Hinterkopf behalten, dass zerstörte Artenvielfalt nicht durch Zufütterung durch uns Menschen ausgeglichen werden kann. Es ist sehr viel mehr wert, wenn du versuchst, in deinem Garten für Abwechslung zu sorgen: Verschiedene Blühpflanzen locken fast das ganze Jahr lang Insekten an, in einem gesunden und nicht durch Dünger und Pestizide belasteten Boden wimmelt es nur so von Würmern und anderen Leckereien. Ein Brombeergestrüpp ist oft Zuhause verschiedener Vögel und die Beeren wiederum schmecken nicht nur uns so gut. Siehst du im Spätherbst (etwa ab Mitte/Ende Oktober) jedoch Igel umherlaufen, die deutlich untergewichtig sind, solltest du handeln und dich an einen örtlichen Tierschutzverein (es gibt auch welche, die speziell auf Wildtiere ausgerichtet sind) wenden.

 

Amphibien und Reptilien

Wechselwarme Geschöpfe, zu denen auch Amphibien und Reptilien zählen, verstecken sich ebenfalls vor Wintereinbruch. Komposthaufen stehen aufgrund ihrer Wärme im Inneren vor allem bei heimischen Schlangen und Kröten hoch im Kurs. Auch Hecken, Wurzeln, Erdspalten, Trockensteinmauern oder Steinhaufen und natürlich die wunderbaren Laubhaufen werden gerne besetzt. Hast du einen Teich mit mindestens 1 Meter Tiefe, ist das für viele Tiere sozusagen ein Sechser im Überlebens-Lotto; auf dem Grund überwintern beispielsweise Molche, Wasserfrösche und Libellenlarven, in der Uferbepflanzung finden sich unzählige weitere Tierchen ein. Diese solltest du also auf jeden Fall bis zum Frühling stehen lassen und nicht zurückschneiden. Eidechsen und Ameisen wiederum graben sich gerne im Boden ein, weshalb ein paar freie Sand- oder Erdflächen im Beet ebenfalls sehr sinnvoll sind.

 

Vögel

Unsere Vögelchen halten keine Winterruhe; manche von ihnen ziehen in den warmen Süden, andere wiederum trotzen der hiesigen Kälte. Ein geschütztes und überdachtes Plätzchen im Garten kommt ihnen jedoch sehr gelegen. Das kann zum Beispiel ein offenes Vogelhäuschen sein, wo du bei geschlossener Schneedecke und Frost etwas Futter für Körnerfresser (Meisen, Sperlinge und Finken gehören dazu) in Form von Körnermischungen auslegen kannst. Auch sogenannte Weichfutterfresser (Rotkehlchen, Specht, Kleiber, Amseln) können auf ihre Kosten kommen. Von Brot und gewürzten Naschereien bitte die Finger lassen, beides richtet mehr Schaden als Nutzen bei unseren gefiederten Freunden an.

 

Verpflegung im Winter selber mixen: je abwechslungsreicher, desto besser!

Körnerfresser

  • Buchweizen
  • Sonnenblumenkerne
  • Haferflocken
  • Mohn
  • Hanfsamen
  • Gehackte/gemahlene Nüsse
  • Leinsamen

Weichfutterfresser

  • Rosinen/getrocknete Beeren
  • Getrocknetes Obst (Äpfel, Birnen)
  • Haferflocken
  • Fein gehackte Nüsse
  • Frisches Obst (nur an frostfreien Tagen)

Nistkästen bieten ein geschütztes Versteck, ebenso Holzbretter oder andere Vorsprünge unter Überdachungen an einer windgeschützten Ecke, welche auch leicht anzubringen und zu reinigen sind. Laubhaufen (Überraschung!) beherbergen, wie weiter oben schon erwähnt, viele (Weich-)Tiere und stellen somit Verpflegung für Weichfutterfresser bereit. Und die stehengelassenen Pflanzenbestände wiederum beherbergen oft Samen, die den Körnerfressern schmecken.

Nicht so dekorativ, dafür ein gefundenes Fressen für viele Vögel: verblühte Sonnenblumen.

Der Laubhaufen - Luxus unter Blättern

Zu guter Letzt haben wir noch eine kleine Anleitung für den heiß begehrten Allrounder: den Laubhaufen! Er hat im Tierreich viele Fans und ist im Handumdrehen angelegt. Kein Wunder, denn er schützt nicht nur erstklassig vor Frost, Nässe und Wind, sondern beherbergt auch besonders viele Insekten, Asseln und andere Bodenlebewesen. Du kannst entweder nur das Laub oder zusätzlich noch Reisig und kleineres Totholz verwenden.

 

An Material mangelt es im Herbst nicht - dann mal los!

 

Was du brauchst:

  • Laub, Reisig, Totholz
  • Ein paar Äste für's Finish
  • Optional: Drahtgeflecht/Maschendraht
  • Steine/Stäbe zum Fixieren

Suche dir zuallererst eine ruhige und geschützte Ecke im Garten aus - du kannst den Haufen entweder frei aufschichten oder vor einer Hecke oder Wand platzieren. Nun bildest du einen (mehrere sind natürlich auch erlaubt) Haufen aus dem genannten Material. Damit der Wind nicht alles verweht, kannst du über der ersten Laubschicht ein Drahtgeflecht oder Stück Maschendraht auf den Haufen legen und die Ecken mit schweren Steinen sichern oder eingraben und mit Stäben fixieren. Zur Tarnung und zusätzlichen Stabilisierung noch mehr Laub aufschütten und etwas größere Äste auf den Haufen legen. Vergiss nicht, einen Spalt frei zu lassen, damit der Igel und seine Freunde auch hinein kommen. Willst du den Laubhaufen besonders toll gestalten, kannst du im Vorfeld auch eine Mulde ausheben und ihn darüber platzieren.

 

Auch so ein Laubkompost könnte ganz einfach mit einem Eingang für Igel ausgestattet werden.

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