Pflanzen vorziehen: Die richtige Erde

Möchtest du selber Pflanzen aussäen und vorziehen, so ist die richtige Erde sehr wichtig für kräftig und gesund wachsende Pflanzen. Weil die jungen Keimlinge etwas andere Bedürfnisse und Ansprüche an den Boden haben als die erwachsenen Pflanzen, wollen wir uns in diesem Artikel anschauen, wie die ideale Anzuchterde beschaffen sein soll und warum das so wichtig ist.

Erde: Ein kleiner Boden-Crashkurs

Die Erde, die wir normalerweise in unserem Garten finden, besteht in der Regel aus Humus, Lehm, Sand und Schluff. Diese Bestandteile können in ihrer Konzentration schwanken und beeinflussen maßgeblich die Eigenschaften des Bodens. Lehm ist beispielsweise ein hervorragender Wasserspeicher, kann aber in hohen Anteilen dafür sorgen, dass der Boden zwar sehr nährstoffreich, aber auch zu dicht und undurchlässig wird. Sandige Böden hingegen sind eher locker und speichern in der Regel nicht ganz so viele Nährstoffe und auch weniger Wasser als sehr lehmige, dafür entsteht seltener Staunässe und es kommt viel Luft an die Wurzeln. Humus liefert dem Boden Nährstoffe und hebt zumeist den pH-Wert leicht an.

Ganz egal, um welche Bodenart es sich am Ende handelt: Sie alle beinhalten mehr oder weniger Nährstoffe und Salze. Außerdem tummeln sich Abermillionen kleinster Mikroorganismen im Boden. Würmer, Amöben, Pilze - dies sind nur ein paar von den vielen Bodenbewohnern, die dafür sorgen, dass aus totem Laub und anderen natürlichen Abfällen der wertvolle, nährstoffreiche Humus entsteht und der Boden gut durchlüftet ist.

 

Pflanzerde oder Anzuchterde?

Möchtest du selbst deine Pflanzen aus Samen ziehen, solltest du zur richtigen Erde greifen, damit die Saison für dich ein Erfolg wird. Wir unterscheiden zwischen der ganz gewöhnlichen Pflanzerde (dazu zählen wir auch die normale Erde in deinem Gartenbeet) und Anzuchterde. Anzuchterde wird im Handel auch oft als “Pikiererde”, “Kräutererde” oder “Aussaaterde” bezeichnet - bis auf die Namen unterscheiden sie sich aber nicht weiter voneinander. Wenn wir nun selber Pflanzen aussäen und vorziehen, so müssen wir also zur Anzuchterde greifen. Du kannst auch ganz einfach selber deine ideale Anzuchterde mischen, dazu kommen wir aber gleich weiter unten.

 

Anzuchterde: Eigenschaften

Anzuchterde unterscheidet sich in mehreren Punkten von Pflanzerde. Sie ist zum einen nährstoff- und salzärmer. Zudem ist sie sehr durchlässig, speichert aber gleichzeitig relativ gut Wasser. Außerdem ist gute Anzuchterde so gut wie keimfrei und enthält möglichst keine Pilzsporen, Krankheitserreger, Schädlinge und Unkrautsamen. Normaler Gartenboden oder handelsübliche Pflanzerde ist hingegen nicht steril. Generell solltest du immer, wenn es um die Vermehrung und Wurzelbildung deiner Pflanzen geht, dafür Anzuchterde verwenden (also auch bei der Bewurzelung von Stecklingen oder Steckhölzern). Wir haben bereits einen kleinen Leitfaden zum Schneiden von Stecklingen am Beispiel von Zimmerpflanzen geschrieben - eine gute Idee, wenn du damit noch keine oder eher wenig Erfahrung sammeln konntest und erst einmal üben möchtest.

Die ideale Anzuchterde

Weniger ist mehr: Nährstoffe nur in Maßen

Die perfekte Erde zur Anzucht ist locker, durchlässig, reich an Humus, nährstoffarm und so keimfrei wie möglich.

Warum ist das so wichtig für die Keimlinge? Einerseits regt die nährstoffarme Anzuchterde das Wurzelwachstum an; du kannst dir die Wurzeln wie kleine Antennen vorstellen, die die Pflanze auf der Suche nach vielen Nährstoffen durch die Erde schiebt. Sie müssen sich im wahrsten Sinne des Wortes mehr anstrengen, als wenn schon alle Nährstoffe in Hülle und Fülle vorhanden wären, was schneller und kräftiger wachsende, robuste Wurzeln zur Folge hat. Und das finden wir natürlich super!

Andererseits - und das ist noch viel wichtiger - kommen die empfindlichen, neu gebildeten Wurzeln mit den vielen Nährstoffen und Salzen normaler Erde nicht zurecht und können dadurch sogar beschädigt werden, sie werden durch die Salze regelrecht verbrannt. Dies hätte verkümmerte oder ganz abgestorbene Keimlinge und Pflänzchen zur Folge. Und das wiederum wollen wir natürlich unbedingt vermeiden.

 

Keime sind nicht willkommen

Zu den zahlreichen Mikroorganismen in Boden und Pflanzerde zählen leider auch die ein oder andere Trauermückenlarve, Schimmelsporen und verschiedene Krankheitserreger. Das ist völlig normal und gestandene, robuste Pflanzen kommen mit den meisten davon klar, ohne großen Schaden zu erleiden oder sofort einzugehen. Das Saatgut und die zarten Keimlinge hingegen haben den Plagegeistern rein gar nichts entgegenzusetzen und würden  bei einem Befall sofort vernichtet werden. Da die Aussaat in der Regel unter einer Haube abgedeckt wird und sich ein warm-feuchtes, gewächshausähnliches Klima bildet, haben Erreger leichtes Spiel. Vor allem für Schimmelpilze sind solche Bedingungen wie eine herrliche Wellness-Oase, in der sie sich wunderbar breit machen und alles befallen können.

Aus diesem Grund wird Anzuchterde im Vorfeld durch Hitze sterilisiert. Wenn du dir deine Erde selber zusammenmischen möchtest, solltest du also auf keinen Fall auf diesen Arbeitsschritt verzichten. Dabei werden auch die Samen von Unkraut, welche sich möglicherweise eingeschlichen haben und die Keimlinge verdrängen könnten, vernichtet.

Die zarten Keimlinge können sich noch nicht erfolgreich gegen Krankheitserreger zur Wehr setzen.

Woher bekomme ich Anzuchterde?

Im Fachhandel

Anzuchterde kannst du dir auf verschiedenen Wegen besorgen. Natürlich ist der Gang zum Baumarkt oder in eine Gärtnerei eine Möglichkeit. Greife dabei auf jeden Fall zu Erde, die torffrei ist. Das ist nicht nur mit Blick auf unsere Umwelt besser; Torf hat leider auch die Eigenschaft, sich im trockenen Zustand sehr stark zu verdichten und zu verhärten. Beides können unsere zarten Keimlinge nicht gebrauchen. Dennoch gibt es immer wieder Anzuchterden, die Torf enthalten - also nicht vergessen, auf die Zutatenliste zu schauen.

 

Selber mischen

Dann gibt es aber natürlich auch die Möglichkeit, sich einfach selbst eine Anzuchterde zu mischen. Wir wollen uns erst einmal grob anschauen, aus welchen Komponenten gute Anzuchterde besteht. Ein Vorteil bei der ganzen Sache ist, dass du die meisten Zutaten dafür bei dir Zuhause findest und somit auch Kosten sparen kannst.

Anzuchterde wird aus drei Komponenten zusammengesetzt: Du brauchst zu gleichen Teilen jeweils lockere Garten- oder Blumenerde, Sand und ausgereiften Kompost. Perlite (ein aufgeschäumtes Vulkanmineral, das aussieht wie weiße Styroporkügelchen) können ebenfalls hinzugesetzt werden, sie verbessern deutlich die Lockerheit und Belüftung des Bodens und helfen zusätzlich, Staunässe zu vermeiden. Sie sind jedoch kein Muss!

Für die Erd-Komponente kommt so ziemlich jede Erde in Frage; das kann entweder einfache Gartenerde aus deinen Beeten sein, alte Pflanzerde oder, noch besser, die Erde aus Maulwurfshügeln. Sie ist besonders feinkrümelig - ein guter Grund, um die kleinen Buddelmeister im Garten zu tolerieren.

 

Vielleicht legst du dir eh gerade ein neues Beet an - dann kannst du die Gartenerde verwenden, um Anzuchterde anzumischen.

 

Beim Kompost funktioniert an sich so ziemlich jeder Kompost. Hast du aber die Chance, an Laubkompost oder solchen aus Rasenschnitt zu kommen, so wähle diesen. Er ist besonders hochwertig und fein. Die fertige Anzucht-Mischung muss auf jeden Fall am Ende bei 120 bis 150 Grad für etwa 30 - 45 Minuten im Backofen sterilisiert, bzw. desinfiziert und nach dem Abkühlen am besten schnell verwendet werden.

Achte aber darauf, dass sich keine größeren Insekten wie Kellerasseln oder auch Regenwürmer in der Erde befinden. Um diese zu verschonen, kannst du die Erde zuvor grob sieben.

Dies ist nur ein ganz grobes “Grundrezept”; abhängig von Sorte und Nährstoffbedarf der jeweiligen Pflanze kann die Mischung natürlich noch optimiert und angepasst werden. Und weil das Thema für sich schon recht umfangreich ist, wirst du dazu mehr in unserer in Kürze erscheinenden Anleitung finden.

Diese Erde sollte erst grob gesiebt werden, um unverrottete Stoffe und kleine Insekten auszusortieren.

Von der Kinderstube ins Freie

Eine Frage müssen wir aber noch klären: Ab wann können die jungen Pflanzen denn überhaupt in normale Pflanz- oder Gartenerde umziehen?

Hier gibt es nicht so wirklich ein ganz sicheres Patentrezept. Manche Quellen sagen, dass die Pflanzen ab einer Größe von etwa 10 bis 15 cm in normale Erde umgepflanzt werden sollten, was an sich ein guter Richtwert ist. Andere wiederum behaupten, dass die Pflänzchen schon beim Pikieren zur Pflanzerde wechseln sollen, weil sie mit zunehmendem Wachstum ja mehr Nährstoffe brauchen. Das Problem bei der Sache ist, dass Pflanzerde eben nicht immer gleich Pflanzerde ist. Manche Erden - aber eben nicht alle - sind sehr stark aufgedüngt, was für die noch zarten Setzlinge schon wieder zu viel wäre. Eine gute Möglichkeit ist es, die Anzuchterde mit Pflanzerde oder noch mehr Kompost zu mischen. So erhält man eine Art “Übergangs-Erde”, die die Pflänzchen mit wichtigen Nährstoffen versorgt. Verlasse dich hier auch ruhig auf dein Bauchgefühl und habe keine Angst, gerade am Anfang ein wenig zu experimentieren. Generell gilt: Sind die jungen Pflanzen nach dem Pikieren sichtbar kräftig und schön groß geworden, kannst du sie als nächsten Step auspflanzen, sobald die Temperaturen mitspielen.

Kleine Paprikapflanzen werden beim Pikieren in etwas nährstoffreichere Erde gesetzt.

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