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Tomaten vorziehen: So geht's ganz einfach

Die Anzucht eigener Tomatenpflanzen aus Saatgut ist gar nicht so schwierig, wenn du die Bedürfnisse der kleinen Keimlinge und Jungpflanzen kennst und sie hegst und pflegst. Tomaten brauchen es nicht ganz so warm und keimen auch schneller als Paprika und Chilis - wenn du diese pfeffrigen Gesellen noch aussäen möchtest, hast du noch bis Mitte März dafür Zeit.

Alles auf einen Blick

  Aussaat
im Haus
Keim-
temperatur
Temperatur
nach Keimung
Pikieren Auspflanzen
Tomaten

Anfang März
bis Ende April

20 bis 25 Grad

18 bis 20 Grad

bei zwei Laubblättern

Mitte Mai

Der richtige Zeitpunkt

Die Aussaat von Tomaten kann auch schon Ende Februar losgehen, doch da die Samen recht schnell keimen und die Keimlinge dann viel Licht brauchen, ist die Aussaat ab Anfang oder Mitte März zu empfehlen. Das Vorziehen im Haus ist noch bis Ende April möglich - danach ist es sinnvoller, die Tomaten ab Mitte Mai direkt zu säen. Jungpflanzen, die zwischen Ende April und Mitte Mai drinnen ausgesät werden, sind zum idealen Zeitpunkt des Auspflanzens (Mitte Mai) noch super klein, wenn sie überhaupt schon gekeimt sind. Ab Mitte Mai direkt draußen gesäte Tomaten holen diesen geringen Wachstumsvorsprung schnell wieder ein, sodass sich das Vorziehen dann nicht mehr lohnt. Draußen kannst du Tomaten noch etwa bis Mitte Juni aussäen, aber die Direktsaat sollte besser früher als später vorgenommen werden, damit die Pflanzen noch ausreichend Zeit haben, um viele Früchte zu bilden.

Die richtigen Anzuchttöpfe

Die Samenkörner der Tomate sind, je nach Sorte, einigermaßen groß und einfach zu handhaben. Je nach Topfgröße werden verschieden viele Samen ausgesät. Auf diesem Foto siehst du Töpfe mit einer Größe von 5 x 5 cm. In jedem Topf stecken wir nur ein Samenkorn:

 

 

Eine Standardgröße für etwas größere, runde Töpfe sind etwa 10 - 12 cm, in die du auch 2 - 4 Samen säen kannst. Bei mehr Samen wird das Pikieren, also Umtopfen, später schwieriger, da die kleinen Wurzeln miteinander verwachsen können und du aufpassen musst, die anderen Pflanzen im Topf nicht zu zerdrücken.

Schnell selbstgemacht sind Upcycling-Töpfe aus alten Tetrapak-Verpackungen. Einfach in der gewünschten Höhe abschneiden, reinigen und eventuell ein paar Löcher oder Ritzen in den Boden stechen. Doch auch ohne Abflussmöglichkeit gelingt die Anzucht, wenn du sparsam gießt.
Es gibt auch Anzuchttöpfe aus kompostierbarem Material - hier mit Paprikasamen.

Die richtige Erde

Verwende für die Aussaat spezielle Anzuchterde, oft auch Kräutererde genannt. Diese ist besonders nährstoffarm. Zu viele Nährstoffe würden die kleinen Keimlinge zu einem viel zu rasanten Wachstum anregen: Sie würden lang und spargelig in die Höhe schießen. Wir wollen aber, dass sich die Wurzeln auf der Suche nach Nahrung kräftig entwickeln.

Anzuchterde kann mit ein wenig Aufwand auch selbst angemischt werden, allerdings ist das eher etwas für Leute mit Garten. Als Basis dafür bestens geeignet ist lockere Gartenerde, die vor allem im Frühjahr praktischerweise oft von Maulwürfen für uns ausgegraben wird. Diese wird in gleichen Teilen mit Sand und Komposterde vermengt. Als Komposterde eignet sich zum Beispiel Erde aus dem Laubkompost sehr gut, allerdings muss man den schon rechtzeitig im Herbst anlegen. Alternativ kannst du Komposterde auch in kleineren Mengen in Säcken kaufen.

Garten- und Komposterde kann bei 120 Grad für etwa 30 Minuten sterilisiert werden, damit darin enthaltene andere Samen nicht mehr keimen können. Allerdings sterben durch eine Hitzebehandlung in Backofen oder Mikrowelle auch alle kleinen Bodenbewohner. Alternativ kann die Erde (erst) gesiebt werden, um Samen, Steinchen oder Käferchen zu entfernen.

Für alte Erde, die draußen im Sack überwintert wurde oder aus zuvor bepflanzten Kübeln stammt, ist eine Sterilisation hingegen schon empfehlenswerter, um Krankheitserreger wie Pilze oder kleine Schädlinge zu eliminieren. Die können jungen Keimlingen nämlich schnell den Garaus machen. Mehr Infos dazu findest du in unserem Beitrag "Neues Leben für alte Erde".

Die richtige Aussaat

Die Tomatensamen können vor der Aussaat in warmem Wasser eingeweicht werden. Das funktioniert gut über Nacht und beschleunigt die Keimung ein wenig. Falls du direkt loslegen möchtest, ist das natürlich auch ohne Einweichen möglich.

Fülle die Erde in deine Anzuchttöpfe. Du kannst noch etwas Luft nach oben lassen, die Samen auf die angefeuchtete Erde legen und sie mit einer etwa 0,5 - 1 cm dicken Schicht Erde abdecken. Oder du drückst die Samenkörner einfach mit dem Finger entsprechend tief in die schon vollen Töpfe und deckst die entstehenden Löcher wieder mit Erde zu.

In jedem Fall kann die Erde jetzt noch mal gut angefeuchtet werden, am besten funktioniert das mit einer Sprühflasche.

Wenn du willst, kannst du die Töpfe noch mit Folien abdecken oder in durchsichtige Plastiktüten stecken. So entsteht ein Gewächshausklima und die Erde bleibt länger feucht. Ansonsten trocknet die Erde schnell aus, da die Samen es gerne sehr warm zum Keimen haben möchten. Ideal sind Temperaturen von 20 bis 25 Grad.

Der richtige Standort

Stelle die Anzuchttöpfe an einen hellen und warmen Platz. In der Nähe einer Heizung ist es ideal. Nach 7 Tagen kannst du vielleicht schon das erste zarte Grün aus der Erde wachsen sehen, es kann aber auch bis zu 14 Tage dauern. Wenn alle Samen gekeimt sind, kannst du die Töpfe auch an einen kühleren Ort stellen, bzw. die Heizung herunterregeln. 18 - 20 Grad sind nun mehr als ausreichend und besonders wichtig ist das Licht. Die jungen Keimlinge sollten den hellsten Platz bekommen, den du finden kannst. Stehen sie zu warm oder dunkel, vergeilen sie. Das heißt, dass sie auf der Suche nach Licht und angeregt durch die Temperaturen ganz dünn, lang und instabil werden.

Ein heller Platz vor einem Fenster, am besten Richtung Süden, ist perfekt.

Das Pikieren

Kurz gesagt:

  • Pikiere die Pflänzchen, wenn sie das erste Paar Laubblätter haben.
  • Setze sie in nährstoffreichere Erde und gönne ihnen mehr Platz.
  • Setze sie etwa 1 - 2 cm tiefer.

Zuerst zeigen sich die sogenannten Keimblätter an den Pflänzchen. Diese sehen immer ein wenig anders aus als die späteren Laubblätter. Nach etwa drei bis vier Wochen sollten die meisten Pflänzchen bereits ein erstes Paar Laubblätter entwickelt haben, womit es Zeit wird fürs Pikieren. Das bedeutet, dass die Pflanzen in größere Töpfe umgesetzt werden. Es ist aber ebenso möglich, die Größe von etwa 10 - 12 cm beizubehalten, aber jeder Pflanze einen eigenen Topf zu geben. In unserem Beispiel mit den kleineren Anzuchttöpfen ist es nötig, größere Gefäße zu verwenden.

Tomaten werden gerne zweimal pikiert. Wenn du sie nur einmal pikieren möchtest (was auch funktioniert), dann warte, bis sie vier anstatt zwei Laubblätter entwickelt haben.

Als erstes kannst du die neuen Töpfe vorbereiten. Fülle sie zunächst komplett mit Erde auf. Verwende nicht mehr reine Anzuchterde, sondern vermische diese mit nährstoffreicher Pflanzerde. Bei selbst gemischter Erde kannst du den Sandanteil reduzieren bzw. den Kompostanteil erhöhen. Bohre mit einem Pikierwerkzeug deiner Wahl (dazu gleich mehr) mittig ein Loch hinein.

Nun ziehen die Pflanzen um. Sie sind sehr empfindlich und müssen ganz behutsam aus der Erde genommen werden. Auf keinen Fall darfst du an ihnen ziehen! Was du zum Pikieren benutzt, ist Geschmackssache. Es gibt spezielle Pikierstäbe, die gut in der Hand liegen. Ähnlich gut funktionieren aber auch dicke Stricknadeln oder sogar Essstäbchen. Auch flache Stiele von Teelöffeln eignen sich bzw. auch ein Löffel an sich. Je nachdem, wie groß dein Anzuchttopf ist und wie dicht die Pflänzchen darin stehen.

Am besten funktioniert eine Art Hebeltechnik: Lockere die Erde vorsichtig an und setze das Werkzeug deiner Wahl in einigem Abstand von der Pflanze an, um sie von dort samt Erde aus dem Topf zu hebeln. Stichst du zu dicht in die Erde, ist die Gefahr groß, dass du die Wurzeln verletzt.

 

Mit Hilfe des Pikierstabs wird hier ein Loch für die Pflanze vorbereitet.

 

Du kannst die Pflanze nun etwa 1 - 2 cm tiefer in die neue Erde setzen, als sie vorher wuchs. Tomaten können, genauso wie Paprikapflanzen, auch an den Stängeln Wurzeln bilden, wenn sie Kontakt zur Erde haben. Somit wird die junge Pflanze stabiler.

Vielleicht fragst du dich, ob es überhaupt nötig ist, die Pflanzen zu pikieren, sondern stattdessen einfach gleich größere Töpfe zu verwenden. Das ist an sich eine gute Idee, aber nicht für Tomaten. Diese profitieren stark davon, dass sie tiefer gesetzt werden und im neuen Topf mehr Nährstoffe zur Verfügung haben. Sie sind Starkzehrer und würden die Zeit bis zum Auspflanzen sonst nicht kräftig genug heranwachsen.

Kürbis und Zucchini sind zwar auch Starkzehrer, werden aber nicht unbedingt pikiert. Das ist kein Widerspruch, denn die Kürbisgewächse werden erst ab Anfang April ausgesät - ihre Zeit im Topf ist also viel kürzer als bei Tomate, Paprika & Co.

Die zarten Tomatenpflanzen müssen ganz vorsichtig behandelt werden.

Die Zeit bis zum Auspflanzen

Herzlichen Glückwunsch: Du hast gute Arbeit geleistet und viele Jungpflanzen erfolgreich aufgezogen. Deine Tomaten stecken nicht mehr in ihren Kinderschuhen, sondern haben ihren ersten Umzug schon hinter sich und werden jeden Tag größer. Langsam wird es Zeit, über ihren endgültigen Auszug nachzudenken. Damit sie das gut verkraften, kannst du sie ab Mitte April bei gutem Wetter tagsüber für einige Stunden an die frische Luft stellen. Ganz wichtig: Es sollten mindestens 15 Grad herrschen und der Standort sollte windgeschützt und hell sein, aber nicht sonnig. Der Wind und das starke, ungefilterte Sonnenlicht sind ungewohnt und können die zarten Blätter beschädigen.

Diese Abhärtung ist aber eine super Sache und macht deine Pflanzen noch robuster. Auch, wenn du nicht so viel Zeit hast, kannst du sie zum Beispiel am späten Nachmittag noch für ein Stündchen rausstellen.

Mitte Mai ist die Gefahr von frostigen Nächten dann endgültig vorüber und der große Auszug steht an.

Freust du dich schon genauso auf die Tomatenernte wie wir?

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