Richtig Gießen - alles, was du zum Thema Wasser wissen musst

Rollt dein Zitronenbaum seine Blätter ein? Sind deine Radieschen etwas holzig und super scharf? Das klingt so, als hätten diese Pflanzen in letzter Zeit nicht ausreichend Wasser abbekommen. Wenn Pflanzen nicht so prächtig gedeihen, wie wir uns das vorgestellt haben, liegt es oft am “fehlerhaften” Gießen. Doch keine Sorge! Kleine Fehler sind schnell verziehen und wir sind uns sicher, dass wir dir mit diesem Artikel alle wichtigen Infos an die Hand geben, damit die nächste Ernte nicht ins Wasser fällt.

Die richtige Balance

Die zwei goldenen Regeln des Gießens lauten: “Gieße nicht zu wenig!” und “Gieße nicht zu viel!”. Die erste Regel zielt darauf ab, Pflanzen vor Austrocknung zu bewahren und die zweite ist essentiell, um die gefürchtete Staunässe zu vermeiden. Was simpel klingt, ist jedoch oft gar nicht so einfach umzusetzen.

Pflanzen nehmen Wasser aus der Erde über ihre Wurzeln auf. Dabei hat jede Pflanze ihre ganz eigenen Tricks. Es gibt sogenannte Flach- und Tiefwurzler und auch Mischformen, die verschiedene Wurzelsysteme ausbilden, um zum Beispiel Wasser aus tieferen Erdschichten zu erreichen. Doch egal, wie genau sie ans Wasser gelangen, Pflanzen nehmen durch die Flüssigkeit Nährstoffe und Mineralien aus dem Boden auf. Diese werden sozusagen aus der Erde herausgespült und per Wassertaxi über die Wurzeln in die Zellen der Pflanze transportiert. Dabei sind verschiedene Bakterien und Pilze im Boden und an den Wurzeln als Helferlein aktiv. Das Wasser sorgt außerdem für ausreichend Druck innerhalb der Zellen. Ist zu wenig vorhanden, wird die Pflanze schlapp und welk.

Nun ist die Idee, viel zu gießen, damit die Pflanze möglichst viel Wasser aufnehmen kann, leider ein Trugschluss, denn zu viel des Guten ist bekanntlich auch nicht gut. Steht eine Pflanze dauerhaft in zu nasser Erde, gelangt weniger Sauerstoff an die Wurzeln. Pilze und Bakterien können sich in so einer Umgebung rasant vermehren, sodass sie der Pflanze nicht mehr helfen, sondern stattdessen vor allem die winzigen Feinwurzeln beschädigen, die für die Nährstoffaufnahme besonders wichtig sind. Die Wurzeln beginnen zu faulen und es gelangen keine Nährstoffe mehr in die Zellen - die Pflanze bekommt meist gelbe Blätter und geht schließlich ein, wenn nichts unternommen wird.

Wie du siehst, ist es unerlässlich, die richtige Balance aus “zu wenig” und “zu viel” zu finden. Um hier nicht ins Straucheln zu geraten, ist noch etwas mehr Wasser-Wissen nötig. Wasser ist nicht nämlich nicht gleich Wasser!

Die richtige Quelle

Regenwasser stellt die natürliche Wasserversorgung von Pflanzen dar, doch wenn du keine Möglichkeit hast, Regenwasser in einer Tonne zu sammeln oder deine Pflanzen überdacht stehen, bist du auf Wasser aus dem Hahn angewiesen. Aber auch eine Regentonne ist in einem trockenen Sommer schneller leer, als man denkt. Die meisten von uns werden also nicht in den Genuss kommen, ausschließlich mit kostenlosem Regenwasser gießen zu können.

Es gibt einige Pflanzen, die das im Leitungswasser enthaltene Calciumcarbonat, besser bekannt als Kalk, nicht so gut vertragen. Dazu gehören zum Beispiel Gurken, Kürbisse, Radieschen, Blaubeeren, Brombeeren und Johannisbeeren sowie Petersilie und Pfefferminze. Doch keine Sorge, Schaden anrichten kann Leitungswasser nur, wenn es wirklich sehr, sehr kalkhaltig ist. Man spricht in diesem Fall von sehr hartem Wasser. Das erkennst du zum Beispiel an größeren Kalkablagerungen an Wasserhähnen. Du kannst außerdem online recherchieren, wie hart das Wasser in deiner Region ist oder, wenn du es ganz genau wissen möchtest, Teststreifen in der Apotheke kaufen, um den Härtegrad zu bestimmen. Zum Thema Kalk im Gießwasser veröffentlichen wir bald noch einen eigenen, umfangreichen Artikel.

In den allermeisten Fällen kann man Leitungswasser völlig unbedenklich zum Gießen verwenden. Um zu viel Kalk im Gießwasser musst du dir also erstmal keinen Kopf machen. Manche Pflanzen mögen leicht kalkhaltiges Wasser sogar, zum Beispiel Tomaten, Kohl, Möhren, Himbeeren, Stachelbeeren, Obstbäume und Wein, ebenso Kräuter wie Oregano, Lavendel, Salbei oder Schnittlauch.

Die richtige Methode

Die Frage ist nun, wie das Wasser am besten verabreicht wird: großflächig Regen simulieren oder lieber gezielt die einzelne Pflanze gießen? Mit dem Gartenschlauch oder der Gießkanne?

Ein Gartenschlauch lohnt sich nur bei sehr vielen durstigen Pflanzen oder einer großen, sonnigen Dachterrasse. Das ist aber gar kein Problem, denn für viele Pflanzen eignet sich das punktuelle Gießen aus einer Gießkanne sehr gut. Außerdem kann mit einer Gießkanne die Wassermenge besser kontrolliert oder Flüssigdünger zum Gießwasser gegeben werden.

Viele Pflanzen, vor allem Tomaten, mögen es überhaupt nicht, wenn ihre Blätter nass werden. Sie sollten am besten ganz weit unten am Stämmchen gegossen werden. Auf feuchten Blättern fühlen sich viele Krankheitserreger sehr wohl, daher solltest du auch bei freistehenden Tomaten und anderen Pflanzen darauf achten, dass sie nicht zu eng stehen, damit sie nach einem Regenschauer schneller trocknen können.

Für ein großes Gemüsebeet ist ein Gartenschlauch mit Handbrause hingegen praktisch, da keine Kannen geschleppt werden müssen und Freilandsorten problemlos mit viel Regen, also auch mit nassen Blättern, zurechtkommen. Bei einer Handbrause kann man meist Wasserdruck und Strahlbreite einstellen, sodass die Pflanzen durch einen zu starken Druck nicht beschädigt werden oder der Erdboden aufgewühlt wird.

Probiere aber ruhig einmal aus, wie lange es dauert, eine Gießkanne auf diese Weise zu füllen. Wir können dir verraten, dass es mehr Zeit in Anspruch nimmt, als man denkt. Wenn du mit einem Gartenschlauch gießt, solltest du das Wasser also immer wieder versickern lassen und erneut gießen, damit auch die tieferen Erdschichten etwas abbekommen.

Du kannst nach dem Gießen oder nach einem Regenschauer überprüfen, wie tief der Boden dabei durchfeuchtet wurde. Meistens ist nur die oberste Erdschicht feucht und weiter unten herrscht Trockenheit. Das zeigt, wie wichtig es ist, ausreichend zu gießen.

Der richtige Zeitpunkt

Damit die ganze Anstrengung nicht vergebens war und nach einer halben Stunde ein Großteil des Wassers schon wieder verdunstet ist, ist der richtige Zeitpunkt des Gießens ebenfalls entscheidend.

Mittags oder Nachmittags: Im Sommer kann es bei hohen Temperaturen und direkter Sonneneinstrahlung tatsächlich passieren, dass das Wasser quasi schneller verdampft, als es versickern kann. Das kostet dich unnötig Zeit und Geld. Außerdem schalten viele Pflanzen bei Hitze in eine Art Hitzeschutzmodus. Indem sie ihre Blätter leicht welk herabhängen lassen, bieten diese der Sonne viel weniger Angriffsfläche und es verdunstet über sie weniger Wasser. Eine Wassergabe zu dieser Zeit wäre daher sogar kontraproduktiv. Ein weiterer Grund, nicht in der Mittags- oder Nachmittagssonne zu gießen, ist ein möglicher Sonnenbrand der Pflanzen - verursacht durch Wassertropfen. Nicht alle Pflanzen sind dadurch gefährdet, lediglich solche mit leicht rauen oder haarigen Blättern. Auf diesen bleiben Wassertropfen nämlich hängen. Das Wasser kann bei starker Sonneneinstrahlung wie ein Brennglas wirken und die Blätter werden beschädigt.

Abends: Wenn die Wärme des Tages nachlässt und sich ein lauer Abend ankündigt, scheint eine passende Zeit fürs Gießen gekommen zu sein. Hier solltest du ein paar Dinge beachten, denn je später am Tag es ist, umso weniger Zeit haben Blätter und Boden, rechtzeitig vor der Nacht noch zu trocknen. Die kühleren Temperaturen, verbunden mit Feuchtigkeit, können dazu führen, dass die Pflanzen empfindlicher und somit angreifbarer gegenüber Krankheitserregern sind. Außerdem gibt es da ein paar Gesellen im Garten, die Feuchtigkeit lieben und am liebsten nachts herauskommen, wenn keiner guckt. Dann schleimen sie sich durchs Gras oder Töpfe empor und fressen alles an, was eigentlich wachsen und gedeihen soll. Du ahnst es schon: abends zu wässern lockt unter Umständen Schnecken an - und unter manchen Umständen sehr viele!

Morgens: Der perfekte Gießzeitpunkt ist also generell morgens, am besten früh morgens. Aber wenn du dich jetzt bei Sonnenaufgang mit einer Gießkanne in der einen und einem Kaffeebecher in der anderen Hand im Garten stehen siehst, können wir dich beruhigen. So ganz eng muss man es mit diesem idealen Zeitpunkt auch wieder nicht sehen. Es kann sich lohnen, ein Viertelstündchen eher zum Gießen aufzustehen. Sollte das aber nicht in deinen Tagesablauf passen, dann suche dir den für dich zweitbesten Zeitpunkt. Falls du beispielsweise gar kein Problem mit Schnecken hast, kannst du es mit dem Gießen am Abend versuchen. Stehen deine Pflanzen extrem sonnig, dann verzichte auf eine Wassergabe zur Mittags- und Nachmittagszeit. Und im Frühjahr, Herbst und Winter sieht es eh schon wieder etwas anders aus.

 

Zum Thema Gießen in anderen Jahreszeiten findest du hier bald einen extra Artikel. Nächste Woche geht es jedoch erstmal darum, wie du selber anhand einiger Kriterien selber bestimmen kannst, wie groß das Wasserbedürfnis der Pflanzen bei dir zu Hause ist.

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