Ob drinnen oder draußen: den Olivenbaum richtig überwintern

Im Artikel “Zitrone, Limette, Orange & Co: Einzug in die Winterresidenz” geht es darum, wie die mediterranen Freunde der Olive überwintert werden. Die Zitrusbäume müssen auf jeden Fall reingeholt werden, wenn die Temperaturen nach unten gehen. Die Olive hingegen ist da etwas härter im Nehmen: sie kann durchaus auch draußen überwintern. Wir zeigen dir, was du beachten musst, um das perfekte Winterquartier für dein Bäumchen zu finden.

Während das Zitrusbäumchen auf jeden Fall drinnen überwintert, kann die Olive auch auf der Terrasse bleiben.

Im Winter bitte kühl und trocken

Die Olive ist bedingt winterhart. Das bedeutet, dass sie niedrige Temperaturen und sogar Frost verträgt, aber nur in einem gewissen Rahmen. Man kann sie der Winterhärtezone 8 zuordnen, wonach sie Temperaturen bis -12 Grad aushalten kann. Dabei ist aber gleich zu sagen: diese Minustemperaturen toleriert der Baum nicht auf Dauer. Schon ab -5 Grad können leichte Frostschäden auftreten, vor allem an den empfindlichen Blättern. Eine sehr kalte Nacht mit -12 Grad würde die Olive also wahrscheinlich nicht umbringen, aber empfehlenswert sind solche Temperaturen auf keinen Fall.

Falls du nun denkst “Naja, so kalt wird es doch eh super selten”, ist das vielleicht ein Trugschluss. Denn auch in eher milderen Regionen kann es durchaus mal sehr plötzlich sehr kalt werden und ungewöhnlich starken Frost geben. Die Überwinterung der Olive kann sich also jedes Jahr etwas anders gestalten und andere Vorkehrungen erfordern - je nach Witterung.

Unter mediterranen Bedingungen wie in Italien oder Griechenland gedeiht die Pflanze besonders gut. Dort ist es im Sommer schön warm und sonnig, im Winter nicht zu frostig und vor allem: recht trocken. Sowohl im Sommer als auch im Winter regnet es im ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Oliven nicht oft - ganz im Gegensatz zu unseren nassen und kalten Wintern und teilweise verregneten Sommern. Daher kann es in unseren Breitengraden auch vorkommen, dass es dem Olivenbaum im Winter nicht unbedingt zu kalt ist, aber zu nass.

Regenreiche Winter und ein unpassender Standort können dazu führen, dass die Erde im Kübel dauerhaft zu feucht ist.

Die wohlverdiente Winterruhe

Eine gewisse Kälte benötigt die Pflanze im Winter sogar, um eine Verschnaufpause im Wachstum einlegen zu können. Erst bei unter 12 Grad fällt die Olive in die Winterruhe und kommt mit weniger Licht zurecht. Tatsächlich kann es ja durchaus sein, dass es an manchen Wintertagen wärmer ist. Da das meist jedoch die Ausnahme ist und es sich nachts abkühlt, wird die Winterruhe dadurch nicht gestört.

Da die Pflanze nicht wächst, sind Düngergaben auch nicht nötig. Nur von Mai bis August wird die Olive gedüngt, anschließend bereitet sie sich dann langsam auf die kühlere Jahreszeit vor. Ebenso verhält es sich mit dem Gießen, wobei die Olive generell keinen hohen Wasserbedarf hat. Während es in der Wachstumsperiode ausreichen kann (je nach Witterung und Standort), sie nur wöchentlich zu gießen, verringert sich ihr Bedürfnis je nach Luftfeuchtigkeit im Winter noch einmal. Wie bereits erwähnt, besteht in unseren Wintern eher die Gefahr, dass die Erde zu nass wird.

Oliven draußen überwintern: so funktioniert’s

Die einfachste Methode ist es, den Baum im Winter einfach draußen stehen zu lassen. Das solltest du aber nur tun, wenn du nicht in Gebieten wohnst, in denen strenge Winter die Regel sind. Am wenigsten Gedanken musst du dir machen, wenn bei dir eher mildes Winterklima vorherrscht, also z. B. in Küstennähe, in Flusstälern oder Weinbaugebieten. Aber auch, wenn du irgendwo zwischen diesen Extremen wohnst, kannst du die Olive draußen überwintern, wenn du ein paar Punkte beachtest:

  • Bei der Haltung im Kübel ist die Pflanze mobil und sollte im Winter möglichst dicht an die Hauswand gestellt werden. Dort ist sie geschützter, sowohl vor Wind und Regen als auch vor niedrigen Temperaturen. An einem Platz, der im Sommer vollsonnig und ideal für die Olive ist, kann es im Winter durchaus eisig werden.
  • Zusätzlichen Schutz vor Regen und Staunässe bieten Abdeckungen für den Kübel, vor allem, wenn der Baum nicht überdacht steht. Eine dicke Mulchschicht hilft schon mal gut, doch in sehr regenreichen Wintern kann der Kübel zusätzlich mit einer Plane abgedeckt werden.
  • Anfällig für niedrige Temperaturen sind vor allem die empfindlichen Blätter. Schutz bieten spezielle Hüllen oder auch Stoffe, die um die Krone gewickelt werden können. Dieser Schutz sollte nicht zu eng sein, damit es darunter luftig bleibt. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Blätter - gerade bei feuchter Witterung - zu viel Wasser verdunsten und die Luftfeuchtigkeit steigt. Außerdem kann es unter so einer Hülle an sehr sonnigen Winter- oder Frühlingstagen auch zu warm werden. Ausreichende Belüftung ist also unerlässlich.
  • Das gleiche Problem gilt für größere Schutzhüllen; es gibt z. B. Pflanzenzelte, die den ganzen Baum schützen. Auch bei diesen ist auf Frischluft zu achten.
  • Wurden dauerhaft Temperaturen um den Gefrierpunkt vorausgesagt, kann ebenso der Kübel mit schützenden Stoffen umwickelt werden, z. B. mit einem speziellen Wintervlies oder Jutestoffen.
  • Falls der Winter eigentlich nicht zu kalt für die Olive ist, aber vereinzelt starker Nachtfrost angesagt wird, kannst du die Pflanze auch für kürzere Perioden an Orten unterstellen, die sich für ein längerfristiges Winterquartier eigentlich nicht eignen würden, z. B. zu dunkle Garagen. Das kann man als Notlösung für kurze Dauer im Hinterkopf behalten.
  • Und wenn Dauerfrost bevorsteht, aber du einfach keinen geeigneten Platz findest, um den Baum drinnen zu überwintern, kann immer noch etwas Technik zum Einsatz kommen. Es gibt Heizkabel, die relativ flexibel um die Pflanze verlegt werden können. Das heißt, dass du so ein Kabel auch bis in die Krone verlegen kannst. Wenn der Baum zusätzlich schön eingepackt wurde, kann er auf diese Weise auch draußen überwintern. Diese zusätzliche Wärme ist aber wie gesagt nur nötig, wenn es wirklich zu kalt wird.
Auch in der Heimat der Olive schneit es mal - für kurze Zeit kann die Pflanze damit umgehen.

Oliven drinnen überwintern: nur, wenn’s nicht zu warm ist

Idealerweise wird die Olive bei 5 bis 10 Grad überwintert, aber es darf auch gerne etwas kühler sein. Damit fällt die Überwinterung in der Wohnung schon mal raus - bei solch hohen Temperaturen bräuchte der Baum extrem viel Licht, da er dann ja keine Winterruhe einlegt. Doch diese Lichtmengen sind in unseren Breitengraden im Winter auch in Wintergärten nicht zu erreichen.

Passende Winterquartiere sind helle Garagen, kühle Treppenhäuser oder Hausflure (hell genug), unbeheizte Wintergärten oder Gewächshäuser (frostfrei). Der Ort sollte regelmäßig gut gelüftet werden können, damit die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch wird. Falls du keinen Platz zum Überwintern findest, der diese Bedingungen erfüllt, solltest du überlegen, den Baum lieber draußen zu überwintern und ihn gegebenenfalls zu schützen, wenn es sehr kalt werden sollte.

Du musst bedenken, dass junge Bäume generell anfälliger für tiefere Temperaturen sind. Doch das Gute ist, dass Olivenbäume mit den Jahren “dazulernen”. Du kannst sie sozusagen an das Klima bei dir zu Hause gewöhnen. Anders sieht es aus, wenn man schon sehr alte Bäume kauft, die in einem eher mediterranen Klima groß geworden sind. Diese machen mitunter bei der Überwinterung größere Probleme als die jungen “Empfindlichen”.

Was ist eigentlich mit der Ernte?

Oliven werden hierzulande meist im November und Dezember reif. Also eventuell genau dann, wenn deine Pflanze bereits ins Winterquartier gezogen ist oder verpackt auf dem Balkon steht. Keine Sorge, die Früchte reifen trotz Winterruhe noch aus. Da die Vegetationsperiode bei uns kürzer ist als z. B. im Mittelmeerraum, ist es besonders wichtig, dass der Baum den Winter gut übersteht, um im Frühjahr gleich mit dem Wachstum loslegen zu können. Die Vegetationsperiode ist die Zeit, in der die Pflanze wächst, also auch blüht und schließlich Früchte bildet. Diese startet bei uns erst, wenn es im April und Mai langsam wärmer wird und kann in manchen Jahren im September schon wieder enden.

 

In einem weiteren Artikel beschäftigen wir uns bald mit der Frage, woran du erkennst, ob es der Olive in ihrem Winterquartier eventuell nicht gut geht - und was du dagegen machen kannst.

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