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Gießen - Mit diesen Tipps findest du die richtige Wassermenge

Im letzten Artikel zum Thema Gießen haben wir uns angeschaut, wie Pflanzen Wasser aufnehmen und wozu sie es brauchen. Besonders interessiert hat uns natürlich auch, wie und wann man am besten gießt. Nun geht es darum, welche Wassermenge genau nötig ist und wie du den richtigen Wasserbedarf selbst einschätzen kannst.

Um es gleich vorweg zu nehmen: “genau” kann dir das leider niemand sagen. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die einen Einfluss auf die benötigte Menge haben. Wie warm ist es und wie viele Stunden am Tag scheint die Sonne? Wie oft regnet es? Wo genau steht deine Pflanze? Wie groß ist der Topf? Welche Erde verwendest du? Das ist nur eine kleine Auswahl an Fragen, auf die es viele verschiedene Antworten gibt, sodass Angaben wie “jeden zweiten Tag drei Liter Wasser” einfach nicht alltagstauglich sind.

Daher ist es am besten, wenn du selber in der Lage bist, anhand einiger Kriterien abschätzen zu können, welche Pflanze bei dir zu Hause wie viel Wasser benötigt. Klingt das nach einem guten Plan? Dann mal los!

Beet oder Kübel?

Es hat einen großen Einfluss auf die Gießmenge, wie viel Erde eine Pflanze für ihr Wurzelwerk zur Verfügung hat, denn Erde speichert Wasser. Pflanzen im Beet können längere Wurzeln entwickeln und daher auch an Wasser in tieferen Erdschichten gelangen. Davon können die Radieschen im Balkonkasten nur träumen. Trotzdem können sich Pflanzen in Kübeln, Töpfen und anderen Gefäßen prächtig entwickeln, wenn sie mit ausreichend Wasser versorgt werden. Dann steht einer üppigen Ernte auch nichts mehr im Weg.

Kübelpflanzen müssen also mit weniger Erde auskommen. Zusätzlich besteht das Problem, dass das Wasser aus der Erde in den Pflanzgefäßen recht schnell verdunstet. Ein Grund dafür ist das geringe Volumen an sich, ein anderer das eher ungünstige Verhältnis von viel Oberfläche zum Volumen. Verwende daher lieber keine allzu flachen Gefäße. Generell halten Plastiktöpfe das Wasser besser als unbeschichtete Tontöpfe, da letztere sich mit Wasser vollsaugen und es dann über das Material verdunstet.

Da Ton- oder Terrakottatöpfe optisch meist ansprechender sind, kannst du sie auch als Übertopf verwenden und die Pflanze selbst in einen Plastiktopf pflanzen. Das erleichtert auch den Transport von Pflanzen, zum Beispiel in ihr Winterquartier, weil ein großer Tontopf sehr schwer sein kann. Achte aber auch bei Übertöpfen auf ein Abflussloch, um Staunässe zu verhindern.

Kübelpflanzen stehen außerdem oft überdacht auf Balkonen oder Terrassen. Das bedeutet, dass sie keinen Regen abbekommen. Aber auch bei Pflanzen im Freiland kann es sehr unterschiedlich sein, wie viel Regenwasser sie zur Verfügung haben. So versickert das Wasser in Hochbeeten deutlich schneller als in anderen Beeten. Außerdem macht es einen Unterschied, ob deine Pflanzen im Freiland auf einer Anhöhe stehen, in einer Senke oder ob Bäume in der Nähe als Regenschutz dienen. Pflanzen im Gewächshaus sind ein Sonderfall, denn sie können einerseits auf Wasser in tieferen Erdschichten zugreifen, andererseits stehen sie überdacht.

Welcher Standort?

Es macht also einen Unterschied, ob deine Pflanze überdacht steht oder ab und an Regen abbekommt. Aber auch andere Standortfaktoren beeinflussen ihr Wasserbedürfnis. Achte darauf, wie viel Sonne den jeweiligen Standort erreicht und für wie viele Stunden am Tag. Hast du beispielsweise einen offenen Südbalkon, der im Sommer von vormittags bis zum späten Nachmittag der vollen Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist? Oder eine Süd-Ost-Terrasse, auf der die Morgensonne voll ausgeschöpft werden kann, die Pflanzen später am Tag aber eher schattig stehen?

Die Himmelsrichtung alleine ist noch nicht alles, denn auch südliche Standorte können durch nahe Bäume oder Sträucher halbschattig sein. Außerdem sind Plätze vor Hauswänden meist wärmer, da die Wände von der Sonne aufgeheizt werden. Standorte im Windschatten sind geschützter und halten die Wärme länger als zugige Ecken auf Terrasse, Balkon oder im Garten.

Kurz gesagt: je länger und intensiver deine Pflanzen von der Sonne beschienen werden und je geschützter sie stehen, umso mehr Wasser brauchen sie.

Wie ist das Wetter?

Im Frühjahr oder Herbst kann es im Freiland durchaus sein, dass regelmäßiger Regen schon ausreichend Feuchtigkeit bringt. In trockenen Sommern und bei längerfristigen Temperaturen ab 25° C aufwärts musst du an manchen Standorten und je nach Pflanze eventuell sogar mehrfach am Tag gießen. Du wirst als GärtnerIn automatisch mehr auf den Regen und das Wetter allgemein achten und dir deine Pflanzen jeden Tag genau anschauen. Welke Blätter in der Mittagshitze sind vollkommen normal, allerdings sind sie morgens oder abends meistens ein Warnzeichen dafür, dass die Pflanze Durst hat. Kontrolliere bei höheren Temperaturen, ob die Erde trocken ist, auch in ein paar Zentimetern Tiefe.

 

Wie alt ist die Pflanze?

Junge Pflanzen müssen erst einmal an ihrem neuen Standort anwachsen und stabile Wurzeln bilden, um sich gut mit Wasser versorgen zu können. Die feinen, jungen Wurzeln sind anfälliger gegenüber Austrocknung. Daher ist es in der Anfangszeit ratsam, neu gekaufte Pflanzen öfter zu gießen, um es ihnen an ihrem neuen Standort etwas leichter zu machen. Achte aber unbedingt darauf, dass keine Staunässe entsteht, denn dafür sind die jungen Wurzeln ebenfalls anfällig.

Bei Gemüsepflanzen und Kräutern kannst du nach ein oder zwei Wochen damit beginnen, die Pflanzen durch gezielte Wassergaben ”zu erziehen”: Gieße sie nicht mehr so oft, dafür aber durchdringender. Dadurch lernen sie, mit trockenen Phasen umzugehen, da sie dazu angeregt werden, dickere und tiefere Wurzeln zu bilden. Mit diesen gelangen sie auch bei Trockenheit noch an Feuchtigkeit in tieferen Erdschichten. Außerdem können stabile Wurzeln besser mit Staunässe umgehen. Junge Beerensträucher solltest du ein oder zwei Wochen länger mit mehr Wasser versorgen und junge Obstbäume im Freiland noch ein wenig länger.

Kurz gesagt:

Sehr junge oder neu gekaufte Pflanzen: gieße eine Zeit lang öfter, aber weniger.

Gut angewachsene oder ältere Pflanzen: gieße seltener, aber durchdringend.

Andere Faktoren

Wir wissen nun, dass sogar ein und dieselbe Pflanze ein anderes Wasserbedürfnis haben kann, zum Beispiel aufgrund des Standorts, des Wetters oder ihres Alters und damit auch ihrer Größe. Jede Pflanze hat darüber hinaus einige Eigenschaften, die unabhängig davon eine grobe Richtung vorgeben, mit wie viel Wasser sie versorgt werden sollte.

Wenn du zum Beispiel eine Pflanze dein Eigen nennst, die bei uns nicht heimisch ist, lohnt sich ein Blick auf die klimatischen Bedingungen in ihrer Heimat. Mediterrane Pflanzen, zum Beispiel Zitrusbäume oder Kräuter wie Rosmarin oder Thymian, stammen aus einem warmen und sonnigen Klima und sind an regenarme, trockene Sommer gewöhnt. Sie kommen mit zu viel Wasser nicht gut zurecht und müssen seltener gegossen werden als andere Pflanzen.

Tomaten, Paprika, Auberginen und andere Gemüsepflanzen sind bei uns zwar auch nicht heimisch, sondern stammen ursprünglich aus sonnigen und wärmeren Klimazonen. Allerdings benötigen sie trotzdem viel Wasser. Für den kommerziellen Anbau werden sie daher in riesigen Gewächshäusern mit Bewässerungssystemen versorgt.

Pflanzen verlieren Wasser über ihre Blätter. Je größer die Blätter sind, umso mehr Wasser verdunstet über ihre Oberfläche. Außerdem können etwas dickere Blätter Wasser besser speichern als feinere. Pflanzen mit sehr großen Blättern brauchen daher tendenziell mehr Wasser, beispielsweise Bananenstauden und Zucchini- oder Kürbispflanzen. Letztere bilden außerdem sehr große, wasserreiche Früchte. Generell brauchen Pflanzen mehr Wasser, wenn sie Früchte ausbilden. Auch Sträucher entwickeln größere Beeren, wenn sie mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt werden. Auf zu wenig Wasser in dieser Phase reagieren viele Pflanzen mit einem Abwurf der Fruchtansätze, was wir natürlich nicht so gerne sehen wollen.

Als letzter Punkt sei hier noch das Mulchen erwähnt. Eine Mulchschicht um die Pflanze herum hat unter anderem den Zweck, dass das Wasser in der Erde gehalten wird und nicht so schnell verdunstet. Gemulchte Pflanzen benötigen daher weniger Wasser. Diesem sehr umfangreichen Thema haben wir in einen eigenen Artikel gewidmet.

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