Fruchtwechsel und Fruchtfolge - was steckt dahinter?

Ein kleines Kürbisbeet für die Ewigkeit - ist doch viel besser, als dauernd zu wechseln und zu tauschen, oder? Durch Düngergaben können Monokulturen heutzutage jahrelang auf dem gleichen Boden angebaut werden, was jedoch negative Auswirkungen auf das Bodenleben hat. Der Boden laugt aus, seine Bewohner suchen das Weite und die Ernte wird kleiner, wenn nicht mit immer neuem Dünger nachgeholfen wird. Achtet man auf geeignete Fruchtwechsel- und folgen, kann man gezielt gegensteuern.

Wechsel oder Folge - das ist der kleine Unterschied

Unsere Gärten sind zum Glück nicht auf Wirtschaftlichkeit ausgerichtet, sondern sollen vor allem Freude bringen. Naturnahes Gärtnern schließt reiche Ernten dabei auch gar nicht aus, wenn wir ein paar Gartenwissen-Grundlagen beherzigen. So ist es zum Beispiel wichtig, dass Obst- und Gemüsepflanzen nicht einfach kreuz und quer in den Beeten wachsen, denn manche Sorten sind sehr wählerisch, was ihre Nachbarn, Vorgänger und Nachfolger angeht.

Und das zu Recht: für bestimmte Schädlinge oder Krankheitserreger ist es ein gefundenes Fressen, wenn sie im Boden sitzend nur darauf warten, dass erneut ihre absolute Lieblingspflanze an gleicher Stelle angebaut wird. Außerdem haben die verschiedenen Pflanzen einen unterschiedlichen Nährstoffbedarf. Wenn sich ein Vorgänger das aus der Erde geholt hat, was er braucht, bleibt für ebenfalls hungrige Nachfolger im schlimmsten Fall nicht genug übrig.

Um hier alle Pflanzen zufrieden zu stellen, sollten Fruchtwechsel und Fruchtfolgen eingehalten werden. Die Begriffe beschreiben zwei ähnliche Maßnahmen, die - kurz gesagt - mit den Fragen “Was? Wann? Wo?” zu tun haben. Sie zielen auf die Gesunderhaltung der Pflanzen und reichere Ernten ab.

 

Fruchtwechsel: jedes Jahr was Neues

Fruchtwechsel bedeutet, dass Pflanzen aus einer Nährstoffgruppe jedes Jahr in ein anderes Beet wechseln sollten. Die Nährstoffgruppen sind Stark-, Mittel- und Schwachzehrer. Es handelt sich also um einen jährlichen Wechsel.

Dieser findet statt, damit die Pflanzen die für sie passende Nährstoffmenge zur Verfügung haben, aber auch, weil es einfach super praktisch ist: der Boden wird im 1. Jahr mit Kompost und anderem Dünger aufbereitet und Starkzehrer werden angebaut. Im nächsten Jahr können Mittelzehrer folgen, es ist keine weitere Düngergabe nötig. Ebenso wenig im 3. Jahr, wenn Schwachzehrer folgen können. In der Theorie kann das Beet im 4. Jahr brach liegen bzw. mit Gründünger bepflanzt werden. Da aber nicht alle so viel Platz zur Verfügung haben, kann das Beet auch direkt wieder mit ausreichend Nährstoffen für die Starkzehrer versorgt werden. Idealerweise hat man dann drei oder vier Beete, zwischen denen die Pflanzen aus den Nährstoffgruppen wechseln.

Ein weiterer Vorteil: achtet man zusätzlich auf die Pflanzenfamilien, gibt man Schädlingen oder Krankheitserregern so gut wie keine Chance. Die Kohlfliege überwintert zum Beispiel verpuppt in der Erde. Wachsen auf einem Beet immer wieder Pflanzen aus der gleichen Familie, hier der Kreuzblütler, schafft das ideale Bedingungen für den kleinen Schädling.

 

Eine Wechsel von Stark-, Mittel- und Schwachzehrern sowie Gelbsenf als Gründüngung. Im darauffolgenden Jahr sollte nicht erneut Kohl angebaut werden, da Gelbsenf aus der gleichen Pflanzenfamilie stammt. Starten kann man dann z. B. mit Kürbissen.

 

Fruchtfolge: leere Plätze gleich wieder füllen

Fruchtfolge bedeutet, dass auf bestimmte Pflanzen innerhalb einer Vegetationsperiode andere bestimmte Pflanzen im Beet folgen sollten. Es handelt sich also um eine Abfolge innerhalb eines Gartenjahres. Der große Vorteil: die Beete werden optimal ausgenutzt, denn wenn etwas abgeerntet ist, kann an dieser Stelle etwas neues gepflanzt oder gesät werden. Bezogen auf die Pflanzenfamilien sind die Regeln dabei die gleichen wie beim Fruchtwechsel. Auf die Nährstoffe hingegen muss nicht so genau geachtet werden, da sie innerhalb einer Saison noch ausreichend verfügbar sind. Also auch, wenn zweimal Starkzehrer nacheinander angebaut werden.

 

Manche Pflanzen sind toleranter und robuster, sodass ein jährlicher Wechsel nicht nötig ist. Erdbeeren sind mehrjährig, daher wäre ein Wechsel in ein anderes Beet eh etwas schwierig. Sie können über mehrere Jahre in einem Beet wachsen. Auch Tomaten können immer wieder an der gleichen Stelle gepflanzt werden, z. B. in einem Gewächshaus. Hier muss allerdings regelmäßig gedüngt werden, da Tomaten Starkzehrer sind.

 

Fruchtfolge: Dort, wo die Radieschen geerntet sind, folgen Möhren. Radieschen sind zwar Schwachzehrer, aufgrund ihrer kurzen Wachstumszeit aber ideale Lückenfüller.

So funktioniert's in der Praxis

Da die Pflanzenfamilien so wichtig sind, haben wir in einer Tabelle für dich zusammengetragen, welche Pflanzen zu welcher Familie gehören - und ob es sich dabei um Stark-, Mittel- oder Schwachzehrer oder um Gründüngungspflanzen handelt. Die Liste könnte noch umfangreicher sein, doch für den ersten Überblick ist sie ausreichend. Ein extra Artikel zum Thema Pflanzenfamilien folgt bald.

 

  Starkzehrer Mittelzehrer Schwachzehrer Gründüngung
Kreuzblütler

Blumenkohl, Brokkoli

Kohlrabi Radieschen, Kresse, Rucola Gelbsenf, Winterraps, Ölrettich

Nachtschatten-
gewächse

Tomaten, Chilis, Paprika, Kartoffeln

Auberginen    
Kürbisgewächse

Kürbis, Zucchini, Gurken

     
Hülsenfrüchtler  

Stangenbohnen

Buschbohnen, Erbsen Lupinen, Luzernen, Klee, Wicken
Doldenblütler  

Möhren, Liebstöckel, Petersilie, Fenchel

Dill  
Korbblütler  

Kopf- und Pflücksalate

   
Zwiebelgewächse  

Zwiebeln, Schnittlauch

   
Fuchsschwanzgewächse  

Spinat, Rote Bete

   
Geißblattgewächse    

Feldsalat

 
Rosengewächse Obstbäume (Apfel-, Kirsch-, Pflaumen-, Pfirsichbaum, ...), Him- und Brombeeren Erdbeeren    

 

Puh, das war jetzt ganz schön viel Theorie! Erstmal können wir Entwarnung geben: du musst das natürlich nicht alles auswendig wissen, um erfolgreich und naturnah gärtnern zu können.

Aber vielleicht merkst du dir, welche Pflanzen miteinander verwandt sind. Das geht einfacher, wenn du dir anschaust, wie die einzelnen Sorten blühen. Ziemlich eindeutig ist das bei den großen, gelben Blüten von Kürbissen und Zucchini. Aber auch Gurken-Blüten sehen fast genauso aus, sind nur etwas kleiner. Viele Gemüsesorten blühen allerdings nicht, sondern werden vorher geerntet. Du kannst einzelne Pflanzen stehen lassen, falls du die Blüten mit eigenen Augen sehen möchtest, oder du schaust mal im Internet nach passenden Bildern.

 

Aber viel wichtiger ist es, dass du die Grundprinzipien verstehst und umsetzen kannst. Daher fassen wir noch mal zusammen:

  • Stark-, Mittel- und Schwachzehrer benötigen unterschiedlich viele Nährstoffe und die Erde muss unterschiedlich vorbereitet werden. Es ist daher sinnvoll, diese drei Gruppen in getrennten Beeten oder Beetbereichen anzubauen.
  • In jedem Jahr wechseln sich die Pflanzen in den Beeten ab (Fruchtwechsel):
    • Wo Starkzehrer wuchsen, werden Mittelzehrer gepflanzt.
    • Wo Mittelzehrer wuchsen, werden Schwachzehrer gepflanzt.
    • Wo Schwachzehrer wuchsen, wird eine Gründüngung ausgesät oder die Erde mit Kompost aufbereitet, sodass wieder Starkzehrer gepflanzt werden können.
  • Bei der Fruchtfolge innerhalb eines Jahres muss nicht auf den Nährstoffbedarf geachtet werden:
    • Auf einem Beet, in dem Starkzehrer wachsen, können im gleichen Gartenjahr noch mal Starkzehrer angebaut werden. Auf frühe Kartoffeln können Blumenkohl und Brokkoli folgen, die bis in den Herbst geerntet werden.
    • Auf Mittelzehrer wie Salate können Mittelzehrer wie Rote Bete folgen.
    • Auf Schwachzehrer wie Radieschen können Schwachzehrer wie Erbsen folgen.
  • Wo eine Pflanze stand, sollte als nächstes keine Pflanze aus der gleichen Familie angebaut werden, egal, ob innerhalb einer Gartensaison oder im nächsten Jahr.
    • Zum Glück kommen unsere Obst- und Gemüsepflanzen aus so vielen unterschiedlichen Pflanzenfamilien. Da solltest du auf jeden Fall immer eine Sorte als geeigneten Nachfolger finden.

 

Hier noch mal unser Titelbild als Beispiel für einen Fruchtwechsel. Wenn keine Hülsenfrüchte als Schwachzehrer angebaut wurden, eignen sich Lupinen als Gründüngung sehr gut, da es keine Starkzehrer aus der gleichen Pflanzenfamilie als Nachfolger gibt.

 

Wenn du magst, kannst du dir die für dich wichtigen Aspekte aus allen Bereichen der “Garten-Theorie” auch noch mal in eigenen Worten aufschreiben, damit du sie immer verständlich und griffbereit hast. Ein idealer Ort dafür ist ein Garten-Tagebuch. Was das noch für Vorteile bringt, haben wir bereits in einem extra Artikel zusammengefasst. So ein Büchlein ist der ideale Helfer, um den Überblick im Garten nicht zu verlieren. Du kannst darin planen, in welchem Beet was wann wachsen soll - mit dem nötigen Theorie-Wissen dazu im Hinterkopf. Du kannst natürlich auch spontan und nach Bedarf schauen, was du als nächstes pflanzen oder säen möchtest, doch mit ein bisschen Planung geht es noch einfacher.

 

Eine kleine Zeichnung als Gedankenstütze, damit man im nächsten Jahr noch weiß, wo welche Pflanze wuchs.

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