Der Gartenboden - ein wunderbarer Mikrokosmos

Am Anfang steht der Boden

Der Gartenboden ist das wichtigste Element deines Gartens. Kein Wunder: Er ist die Basis für einfach alles, was wächst! Seine Anwesenheit ist für uns jedoch so selbstverständlich, dass wir uns häufig keine weiteren Gedanken über seine Beschaffenheit machen. Bevor du nun mit dem Gärtnern loslegst (oder vielleicht auch schon angefangen hast, aber deine Pflanze trotz aller Mühen nicht richtig wachsen wollen), solltest du dem Boden ein wenig Aufmerksamkeit schenken.

Ein kleiner Abstecher in die Tiefe

Zugegeben: Von oben betrachtet wirkt er doch recht bescheiden. Die Farben begrenzen sich meistens auf verschiedene Brauntöne. Nach einem Schauer reckt sich hier und da vielleicht mal ein Regenwurm aus dem Boden und große Ameisenstraßen, die ins Erdreich führen, verschwinden scheinbar im Nichts. Vieles spielt sich im Dunkeln ab, unterhalb der Oberfläche, und ist für unser Auge unsichtbar. Doch der Schein trügt - und zwar gewaltig!

Asseln, Mikroben, Pilze, Würmer und Maulwürfe: Dies ist nur ein winzig kleiner Bruchteil dessen, was unter der Erdoberfläche so haust. Dort herrscht in Wirklichkeit geschäftiges Treiben, nur eben in einer völlig anderen Dimension. In einer Handvoll Erde befinden sich Abermillionen von Mikroorganismen, die nicht nur für die Fruchtbarkeit des Bodens verantwortlich sind. Viel wichtiger noch: Sie stehen mit den Pflanzen, welche ihre Wurzeln im Erdreich verankern, in regem Austausch und sorgen für ein gesundes Wachstum. Anders herum bekommen sie von den Pflanzen wichtige Stoffe für ihr eigenes Überleben. Es herrscht also eine wechselseitige Beziehung zwischen Pflanzen und Mikroorganismen, von der beide Parteien profitieren.

Diese Wechselbeziehung wird auch als Symbiose bezeichnet. Und wenn wir diesen Gedanken nun weiter verfolgen, wird uns etwas wirklich Faszinierendes klar: Ohne Mikroorganismen im Boden ist auf der anderen Seite - der Erdoberfläche - Leben schlichtweg unmöglich. Ein gesunder und artenreicher Boden ist also der Schlüssel für einen munter wachsenden Garten und eine lebendige Mutter Erde - im wahrsten Sinne des Wortes!

Um zu sehen, was unter der Erdoberfläche passiert, muss man erstmal buddeln.

Die Zutaten unseres Erdreichs

Der Boden ist nicht einfach nur “Ankerplatz” für die Wurzeln unserer Pflanzen. Er ist Hauptlieferant für die wichtigsten Nährstoffe und auch die Wasserversorgung läuft über den Boden ab - seine Beschaffenheit bestimmt, wie viel und wie gut er Wasser speichern, und somit den Wurzeln zur Verfügung stellen kann. Um zu verstehen, wie sich die verschiedenen Bodenarten zusammensetzen und welche Eigenschaften daraus resultieren, wollen wir uns erst einmal zwei grundlegenden Fragen widmen: Wie entsteht unser Gartenboden? Und woraus setzt er sich zusammen? Da die Beschaffenheit des Bodens von Region zu Region sehr unterschiedlich ausfallen kann, wollen wir uns auf dessen Beschaffenheit in Mitteleuropa beschränken.

Die Erdkruste unseres Planeten besteht ja bekanntlich aus mehreren Schichten. Der Boden auf dem wir herumlaufen, bauen, gärtnern und leben bildet folglich also die äußerste Schicht. Sie ist insgesamt etwa 1 Meter dick und wird als Pedosphäre bezeichnet. Das Wort leitet sich vom griechischen „Pedon“ - auf Deutsch „Boden“ - ab. Die Pedosphäre besteht hauptsächlich aus Humus, Sand, Schluff und Lehm. Diese haften aneinander und bilden im Idealfall Krümel und Klümpchen, wodurch sich ein durchlässiger und herrlich luftiger Boden bildet.

Lehm und Sand wiederum entstehen durch Wettereinflüsse wie Regen und Wind, die Gesteine über Jahrtausende hinweg abtragen und immer weiter zerkleinern. Die Pedosphäre selbst lässt sich ebenfalls in mehrere Schichten gliedern. Ganz oben befindet sich die sogenannte Streuschicht. Dort liegen Äste, Zweige, Laub, frische Blätter, Kadaver, einfach alles, was eben zu Boden fällt. Hier sind kleine Tierchen, wie zum Beispiel Schnecken oder Spinnen, zuhause.

Der Oberboden liegt direkt darunter und ist etwa 20 bis 30 cm dick. Guter und gesunder Boden ist humusreich, locker und dunkelbraun bis schwarz gefärbt. In dieser Schicht ist richtig viel los, denn hier lebt der Großteil der Bodentiere und Mikroorganismen wie Asseln, Bakterien, Pilze oder Regenwürmer. Die kleinen Bewohner dieser Erdschicht werden als Zersetzer bezeichnet, weil sie dafür sorgen, dass alles was auf der Oberfläche so herumliegt, zersetzt wird. Für den Feinschliff am Ende sind die Pilze und Bakterien zuständig, denn sie lassen aus den bereits zerkleinerten Abfällen Humus entstehen. Und Humus – das wissen wir bereits – enthält viele Nährstoffe, die unsere Pflanzen wiederum zum Wachsen brauchen. Wie wir sehen, schließt sich im Boden der wunderbare und ewige Kreislauf des Lebens!

Wir sehen meist nur den oberirdischen Teil der Pilze, er wächst jedoch auch unter der Erde.

Boden ist nicht gleich Boden – die wichtigsten Bodenarten im Überblick

Wir haben nun gelernt, dass unser Boden aus ganz schön vielen Komponenten besteht. Grob lassen sie sich jedoch in leichte, mittelschwere und schwere Böden unterteilen.

Leichte Böden enthalten viel Sand (sogenannte „Sandböden“) und sind eher nährstoffarm. Zudem sind sie oft recht sauer, was nicht alle Pflanzen tolerieren. Sandböden sind meistens luftig locker, halten jedoch wenig Wasser und trocknen schnell aus. Durch das Beimischen von Humus in Form von Kompost, Kalk oder Lehm kann dem jedoch entgegengewirkt werden. Auch das Mulchen empfiehlt sich sehr bei sandigen Böden.

Auf mineralischen Dünger kannst du getrost verzichten, denn er wird durch den Regen ziemlich schnell wieder ausgewaschen, und belastet nur tiefere Bodenschichten und das Grundwasser. Wie erkennen wir nun einen sandigen Boden? Ganz einfach – wenn du eine Hand voll davon zusammendrückst, klebt nichts an den Fingern und fällt sofort wieder auseinander. Der pH-Wert des Sandbodens liegt meistens bei 5,3 bis 5,7. Wie du den pH-Wert bestimmen kannst, habe ich aber auch noch mal weiter unten im Artikel zusammengefasst. Auf solchen Böden fühlen sich besonders Schwachzehrer wie die meisten Gartenkräuter wohl. Auch Erdbeeren lieben saure und sandige Böden.

Mittelschwere Böden enthalten viel Lehm und Schluff (ganz feine Körnchen). Solche Böden speichern Wasser in der Regel sehr gut, sind etwas dichter als Sandböden, aber dennoch ausreichend locker. Zudem enthalten sie genügend Nährstoffe, und du musst je nach pH-Wert und Bepflanzung nur bei Bedarf mit Kalk oder Kompost nachhelfen. Wenn du ihn in der Hand zusammendrückst, lässt er sich gut formen, fällt jedoch relativ schnell wieder auseinander. Mittelschwere oder lehmige Böden haben in der Regel einen pH-Wert zwischen 6 und 7. Hier gedeihen die meisten Pflanzen ohne Probleme, und Schwachzehrer brauchen nur sehr selten zusätzliche Nährstoffgaben. Baust du Starkzehrer wie z.B. Tomaten oder Kohlsorten auf mittelschweren Böden an, ist zusätzlicher Kompost oft ausreichend.

Schwere Böden enthalten viel Ton und speichern dadurch sehr viel Wasser. Allerdings sollte man wissen, dass Ton aus sehr feinen Partikeln besteht, welche Wasser nur schwer wieder abgeben und es dadurch den Wurzeln nicht in vollem Umfang zur Verfügung steht. Folglich sind solche Böden auch nicht besonders durchlässig und bergen das Risiko von Staunässe. Zudem erwärmen sie sich nur langsam, weshalb man im Frühjahr unbedingt auf dauerhaft frostfreies Wetter zum Bepflanzen warten sollte. Einen tonhaltigen Boden erkennst du sehr schnell daran, dass er sich wunderbar kneten und formen lässt und überall haften bleibt. Hast du solchen Boden in deinem Garten, ist das jedoch kein Weltuntergang! Denn: es gibt natürlich ein paar Handgriffe, mit denen deine Pflanzen auch auf schweren Böden gedeihen können.

Grabe ihn im Herbst einmal ordentlich um, der Frost lässt das gespeicherte Wasser reißen und lockert somit wie von selbst den Boden auf. Bevor du dann im Frühling aussäst, solltest du den Boden noch einmal gut durchhacken und durch Zugabe von Sand und Humus durchlässiger machen. Eine Mulchschicht ist auch hier sehr empfehlenswert, da sie hilfreich ist, um Staunässe zu vermeiden. Schwere oder tonige Böden haben oft einen höheren pH-Wert (mindestens 6,9) als Lehmböden und sind reich an Nährstoffen. Hier fühlen sich vor allem Blumenkohl und Kohl allgemein, Kürbisse und andere Starkzehrer pudelwohl.

Schwachzehrer wie Bohnen keimen auch auf sandigen Böden problemlos.

Der richtige pH-Wert

Der richtige pH-Wert spielt eine große Rolle für ein gesundes Pflanzenwachstum. Es gibt unterschiedliche Mittel und Wege, diesen zu bestimmen. Da auch andere Faktoren wie z.B. landwirtschaftliche Nutzflächen in der Umgebung durch Überdüngung den pH-Wert beeinflussen können macht es Sinn, diesen im Vorfeld zu bestimmen.

Um erst einmal festzustellen, ob dein Boden eher sauer oder eher alkalisch ist, gibt es einen ganz einfachen Trick. Alles, was du dafür brauchst, sind zwei Becher, destilliertes Wasser, Backpulver und Essig. In einen Becher füllst du das Wasser und löst eine Packung Backpulver darin auf. In den anderen kommt der Essig. Wir haben nun eine saure Flüssigkeit, und eine alkalische Lösung vor uns stehen. Jetzt nimmst du eine Handvoll Erde und gibst etwas davon in jeden Becher. Beginnt der Essig zu schäumen, ist die Erde – ganz klar – alkalisch. Fängt jedoch die Backpulverlösung an zu zischen, so handelt es sich um einen sauren Boden. Passiert gar nichts, so ist der Boden in einem neutralen Zustand und somit für fast alle Pflanzen bestens geeignet. Möchtest du es jedoch genau wissen, so gibt es im Gartencenter Teststreifen oder Bodentester, mit denen du den genauen Wert ermitteln kannst!

Gesundes Ökosystem, gesunder Boden

Ein gesunder Boden sorgt für gesunde Pflanzen – das ist ganz klar. Das Ökosystem im Boden ist empfindlich und darf nicht aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Schädlinge sind zwar lästige Gäste, sollten aber nicht einfach mit Gift und Pestiziden ausgelöscht werden. Einerseits sterben dabei viele andere wertvolle Tierchen ab, andererseits stellen sie eine wichtige Nahrungsquelle für unsere Gartenbewohner, wie Vögel oder Igel, dar. Auch der Boden selbst leidet unter Chemikalien und Giften, denn sie dringen ins Erdreich ein und töten die wichtigen Zersetzer ab, welche zwingend notwendig für fruchtbare Erde sind. Aus diesem Grund ist es ratsam, auf mineralische Düngemittel und Pestizide zu verzichten.

Hast du nun deinen Boden unter die Lupe genommen und die Bodenart ermittelt, kannst du einen Blick in unseren Magazinartikel über das Düngen werfen, wir haben dort eine gute Übersicht über die wichtigsten Nährstoffe und das Düngen allgemein für dich verfasst. In unserem Artikel über Schädlinge und was du gegen sie tun kannst, findest du außerdem tolle Tipps, wie du ihnen auf schonende und umweltfreundliche Weise zu Leibe rückst. So steht einem gesunden und fruchtbaren Boden nichts mehr im Weg!

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